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1850 bis zur silbernen Hochzeit 1861

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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Oktober 1851. 
Ach, mit der Kinderzucht steht es bei Gebildeten und Ungebil— 
deten recht kläglich und hier fällt's einem recht auf, wie's am Aller— 
ersten und Einfachsten fehlt, während doch so viel guter Wille da ist. 
Es entsteht ein Verein nach dem andern — für Armenpflege, Kinder— 
pflege, Kindergärten, innere Mission, Rettungshäuser — und dabei 
sind auch die Frauen so thätig, ja unermüdlich; wenn doch auch bei 
all den guten Erfindungen und Einrichtungen etwas Lebendiges an 
Zucht und Vermahnung für Kinder und Eltern und für ihr Verhältnis 
zu einander herauskäme! Aber die Schulweisheit schraubt die Jugend 
in so hohe Regionen, daß ihnen nachher die eigenen Kinder langweilig 
oder unverständlich sind, und die vielen Anstalten zum Besten der 
Kinder machen den Riß nur größer. Sie bringen den Kindern alles 
künstlich und mit Reflexion und Bewußtsein, was Mutter Natur ihnen 
viel heiliger und schöner im Kinderschtaf hätte bringen wollen. Spricht 
man nun so eine arme — reiche oder gebildete — Mutter, so ist man 
in Verlegenheit. Sagt man, was man denkt, so thut man weh, und 
es fruchtet gar nichts; denn sie haben auch ein Paradies verloren, 
wiewohl sie es nicht wissen — ich meine das, wirklich und gedeihlich 
mit den Kindern zu leben — und es hilft nichts, dies verlorne Para⸗ 
dies zu predigen. Man kommt sich nur selbst so vermessen vor, als 
bildete man sich ein, die Sache zu verstehen und gut zu machen, da 
wir uns doch täglich vorhalten müssen, wie es noch gar nicht am Tage 
liegt, was aus unseren Kindern werden kann, ob sie fromm und brav 
hleiben, und daß wir sie immer nur Gottes Fürsorge und Schutz em— 
ofehlen können. 
An Minna Pansch. 
22. April 1852. 
Dienstag nach dem Fest bekamen wir großen Rumor ins Haus, 
der noch nicht ganz vorüber ist. Es wurde nämlich auf meinen An— 
trag Strickers vortrefflicher Herd an die Stelle unseres alten gesetzt, 
und da mußte der ganze Rauchfang abgebrochen werden. Das gab 
viele ungemütliche Tage, und ich hatte immer einiges Herzklopfen da— 
bei, weil ich die Sache eingerührt und auf mich genommen hatte. Ich 
habe in dergleichen Dingen nicht die Courage unserer Mutter und 
wundere mich beinahe über mich selbst, daß ich dies ohne, ja beinahe 
gegen den Rat aller durchgesetzt habe. Es trieb mich dazu besonders 
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