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1850 bis zur silbernen Hochzeit 1861

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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ich gestehe, ich hatte mich auch ein klein wenig davor gefürchtet. Er 
war über alle Punkte in so gutem Einverständnis mit Adolf und trat 
Karoline diesmal viel näher, was mir eine große Freude war. Es 
hatte mir dies Zusammensein insofern etwas Rührendes; es war darin 
eine Ruhe nach schwerer Arbeit, wenigstens von Karolinens und meiner 
Seite. In welcher Spannung, ja Angst war ich, als Adolf und Helms— 
dörfer sich zum erstenmal in Offenbach begegneten! Wahrscheinlich habe 
ich mich damals wenig oder garnicht darüber ausgesprochen, aber was 
hat meine Seele an diesen beiden verschiedenen Naturen zu arbeiten 
gehabt! Ich habe damals wohl ein Vorgefühl davon gehabt und jetzt 
ist mir, als sei diese Arbeit beendigt, deun wir haben das Nächste und 
Schwierigste mit Helmsdörfers geteilt, ich meine die finanziellen Ver— 
wirrungen nach dem Tode unseres Vaters einerseits und auf der anderen 
Seite die Elternsorge für Charlotte; und das ist, wie ich glauben darf, 
wenigstens insofern gelungen, als kein Zerwürfnis daraus entstanden, 
sondern gegenseitige Achtung und Liebe gewachsen ist. Der Abschied 
don Charlotte wurde uns recht schwer und ihr auch. 
Marie soll nun wirklich zur Schule gehen; das Examen, dem 
wir neulich beiwohnten, hatte uns beiden wieder mehr Abschreckendes 
als Einladendes, und Adolf überließ mir die Entscheidung, die mir 
recht schwer wird. Ich werde aber doch bei dem Entschluß bleiben, 
denn ich kann Marien den weiteren Unterricht nicht geben, nach dem 
ihre Natur jetzt verlangt, und besonders kann ich ihr die Regelmäßig- 
keit und Ordnung nicht verschaffen, die sie jetzt einmal eine Zeitlang 
lernen und üben muß. Möge sie Gutes lernen und annehmen und 
das Verkehrte wieder abschütteln! 
Karoline hatte sich das Schicksal der armen Sophie Ewers, die 
noch so jung Witwe geworden ist, sehr zu Herzen genommen, ja, sie 
war einige Wochen in beständiger Trauer und Sorge um sie, wie 
man für eine Tochter mittrauern würde. Sophie Ewers hatte gleich 
in den ersten Tagen an Karoline geschrieben und damals grenzte ihr 
Schmerz an Verzweiflung. Dies erschütterte und schmerzte Karoline 
so sehr. Sie hat Sophie von Kind auf als ein frommes, ergebenes 
Hemüt gekannt und konnte diesen Schmerz, den sie als ein sündliches 
Auflehnen auffaßte, nicht an ihr verstehen. Ich verstand es recht gut 
und hoffte gleich, Sophie würde nach einiger Zeit ihre wahre, schöne 
Stimmung der Seele wiederfinden. Karoline hängt eben bei all ihrer 
warmen thätigen Liebe nur mit so schwachen Fäden an allem, was
	        
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