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Aus den Jahren 1836-1848

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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für ihn arbeite, und da ich es eben kann, da jetzt kein Kindchen zu 
warten ist, so schien mir, ich dürfte es mir wohl einmal erlauben. 
Man denkt bei solchen Arbeiten so viel an die Lieben in der Ferne; 
wie gern möchte ich einmal bei Dir eingucken! — — Klara ist mit dem 
Kindchen und ihrer Schwester Bertha in Köln bei Frau Zanders ge— 
wesen. Gott gebe, daß es dazu beitrage, daß sich die arme liebe 
Seele auch irdisch in ihr Schicksal finden möge. An himmlischem 
Trost fehlt es ihr nicht, sie hat gewiß im Herzen die rechte Frömmig— 
keit und das ist immer das erste und eine, was not thut. Aber ein 
Leben bloß in Geduld und Ergebung, ohne ein wenig natürliche, irdische 
Lebenslust scheint mir fast eine zu schwere Aufgabe für einen Menschen, 
und ich kann nicht anders, als wünschen, es möchte der lieben Klara 
das Leben auch irdisch wieder lieb werden. Wir leben diesen Winter 
sehr still; jedermann schränkt sich ein, um nach Kräften helfen zu können, 
wo es not thut, denn es scheint ein sehr strenger Winter zu werden 
und man hört gar vielerlei Klagen und Not. Auch an der Universität 
ist's stiller, als vor einigen Jahren, und wenn Adolf findet, daß wir 
so still für uns hinleben dürfen, so ist's Karoline und mir schon recht 
und den Kindern auch, die uns desto mehr für sich haben. Sie machen 
uns auch gar große Freude und sind frisch und derb, wenn auch jetzt 
wohl einmal beim Ausgehen über die Kälte ein paar Thränchen fallen. 
Mein Mutterherz wurde weich und ich schlug vor — uneingedenk des 
Großpapas — den Mädchen zu Weihnachten kleine Muffe zu schenken, 
die hier allgemein getragen werden. Der Papa sagte aber entschieden 
Nein, und nun ist mir's selbst lieb, daß ich nicht mehr in Versuchung 
komme, sie damit zu verwöhnen. Warm halten wir sie darum doch — 
Du mußt nicht glauben, daß ich so gar hart bin. Sie schlafen jetzt im 
kalten Zimmer — Adolf und ich auch —, da fühle ich ihnen aber 
meist abends noch Hände und Füße und freue mich an den warmen 
Gsiedern und roten Bäckchen. 
Durch die Üübersiedelung der Familie Nitzsch von Bonn nach Berlin 
gewann Ferdinandens Leben einen neuen, beglückenden, sie für alle Zeit 
bereichernden Zuwachs. Karl Immanuel Nitzsch, der als Professor und 
Universitätsprediger in Bonn lebte, erhielt im Jahre 1847 einen Ruf 
— 
Nikolgikirche und bezog mit seiner Familie die neu erbaute Probstei. 
Die gemeinsame Liebe für Klara, die verwitwete Tochter, und ihr 
aund Bernhards einziges Kind Marie verband die beiden Häuser Nitzsch
	        
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