Path:
Aus den Jahren 1836-1848

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

hof, der damals neu erbaut mit seiner hohen luftigen Halle, dem kühnen 
Bau von Glas und Eisen, das Staunen erregte. Da sprach Vater 
vohl davon, wie dieses Material möglicherweise einen neuen Baustil 
herbeiführen könne, und die Kinderphantasie erträumte sich fecenhafte 
Krystallpaläste als Wohnung. Im Tiergarten wurde später gern immer 
wieder das Denkmal Friedrich Wilhelms III. aufgesucht; wie freute 
sich Vaters Blick an dem Bilde des verehrten Königs, an dem weißen 
Marmor, der sich so schön von dem grünen Hintergrunde und dem 
blauen Himmel darüber abhebt. Wie innig und sinnig deutete er die 
lieblichen Reliefs am Fuße des Standbildes. Bisweilen führte der 
Weg bis nach Pankow und in den Park von Schönhausen mit seinen 
sistorischen Erinnerungen an Friedrichs des Großen Gemahlin und zu 
den vom Großen Kurfürsten gepflauzten Eichen. Dann wurde einmal 
zum Ausruhen eingekehrt; und wie interessant war es dem an Milch 
gewöhnten Kinde, vom Vater, der doch sonst den Kaffee bis ins dreißigste 
Jahr für unzuträglich erklärte, eine Tasse starken Kaffee mit drei Stücken 
Zucker zu erhalten! 
Kam Logierbesuch von Freunden oder Verwandten, so wurde 
wohl einmal ein Nachmittag in Tegel zugebracht, wo wir Wilhelm 
don Humboldts Heimat und Grabstätte mit der Thorwaldsenschen Spes 
kennen und lieben lernten. Bei solchen Gelegenheiten lernten wir auch 
allmählich die Denkmäler unsrer Vaterstadt und die Museen u. s. w. 
kennen und es wurde uns das Auge dafür durch Vater geöffnet, so daß 
ihr Anblick uns von der Erinnerung an ihn unzertrennkich ist. Er 
hatte diese Schätze alle so studiert und seine Gedanken darüber so 
abgerundet, daß ihm unwillkürlich bei der Betrachtung jedesmal die— 
jelben Ausdrücke wiederkehrten, und diese Ausdrücke waren so eigen— 
artig, daß sie sich dem Gedächtnis besonders lebhaft einprägten. So 
sprach er wohl nie von der Rotunde des Museums ohne daran zu 
erinnern, sie sei gedacht als die Fest-Ouvertüre, die da sammeln und 
den Geist in Stimmung setzen solle für das Nachfolgende. 
Vaters Zeit war immer sehr kurz gemessen, aber jeder Augen— 
blick, den er für die Kinder hatte, war ein Glanzpunkt im Tage. 
Welcher Jubel, wenn sein rascher Schritt des Morgens nach der Vor— 
lesung auf die Kinderstube zu führte und die Stunden, die dort ge— 
halten wurden, einen Augenblick unterbrochen wurden, damit jedes ihm 
Guten Morgen sagte. Da that er denn einen Blick in unsre Bücher, 
ließ sich ein Stückchen vorlesen, übersetzen oder hersagen, sah dem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.