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Brautstand und Hochzeit. Oktober 1835 bis April 1836

Full text: Ein Lebensbild, aus ihren Aufzeichnungen und Briefen zusammengestellt für ihre Enkel und Urenkel / Trendelenburg, Ferdinande (Public Domain)

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was der Tag gebracht hat. Wenn ich mich aus dem Gewirre hinaus— 
versetze und an unsere Zukunft denke, wie sie mir entgegenblickt, so 
ist sie mir immer wie klares Morgenrot ohne Wolken; aber ich kann 
mich nicht vorzeitig der Heimat entfremden und die Sorgen der 
anderen in den Wind schlagen. — — Ich liebe Dich mit aller Liebe, 
die mir Gott gegeben hat, ich verlasse gern Vater und Mutter und 
Geschwister, um Dir zu folgen und mit Dir eins zu sein, ich glaube, 
daß uns Gott für einander bestimmt hat und habe festes Vertrauen 
in Seinen Beistand in allen Dingen. Er wird mir zur rechten Zeit 
Heiterkeit und Frische geben, daß ich alles leicht und fröhlich anfangen 
kann, wie ich es so gern möchte. 
Adolf an Ferdinande. 
2. März 1836. 
Mit Freuden habe ich den März begrüßt. So Gott will, führt 
er uns zusammen, ohne daß wir uns wieder trennen. — — Sei so 
eicht und heiter, als es irgend gehen will. Trage unicht zu schwer 
an dem heutigen Tag und noch viel weniger an dem morgenden. 
Was in der Zukunft liegt, steht in einer höheren Hand. Aber wenn 
wei einen Weg gehen und nur recht innig zusammen halten, so dürfen 
sie durch das helle Thor ohne düstere Ahnungen eingehen. Wenn 
hnen jeder Tag, sei er heiter oder dunkel, auch nur das eine brächte, 
daß sie mit den edelsten Seiten ihres Lebens inniger ineinander ver— 
wachsen: so haben sie von dem Tage einen großen Reichtum gewonnen. 
Das Leben hat uns bis jetzt alles sichtlich leicht gemacht. Nach einer 
schönen Zeit nahen wir uns dem Ziele unserer Wünsche. Nicht allen 
jahnt sich der Weg so leicht. Darum laß uns recht dankbar sein — 
und heiter sein und heiter vertrauen heißt in diesem Falle dankbar 
sein. Ich denke mich oft in Deine Seele hinein und es thut mir 
weh, daß sich die Freude des Besitzes mit dem Schmerze des Ab— 
schiedes stempeln soll. Wird es auch an einem Tage zu viel sein? 
Was ich Dir sein kann, um Dir die Lücke Deines Herzens zu füllen, 
das werde ich Dir sein. Der Himmel wird weiter helfen. 
Ferdinande an Adolf. 
Daß ich wohl nicht zu den klugen Jungfrauen gehöre, die ihre 
Lampen angezündet hatten, als der Bräutigam kam — daß mein 
armes Lichtlein so unstät hin und her flackert und oft gar nicht
	        
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