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Erinnerungen vom Juni 1890, Harzburg

Full text: Lebenserinnerungen / Siemens, Werner von (Public Domain)

Rücktehr von der ersten Reise. 
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gefährlichen Stels- hart an der Kante des hier mehrere Meter tief 
senkrecht abfossendean c unter der Last seines Pferdes ein Stein 
locker wurde Einc ' nent später trat mein Pferd auf denselben 
Stein, der ** bader en⸗ ablöste und meinen Absturz herbei— 
führte. Ich entsinne ice nur, einen Schrei der nachfolgenden 
Reiter gehört zu haben, und daß ich dann aufrecht mitten im 
Flußbette stand, mein Pferd neben mir Nach Angabe meiner 
Gefährten soll fich das Pferd seitli“ mit mir überschlagen haben 
und dann gerade auf seine Füße zu stehen gekommen sein. Es 
war jedenfalls ein merkwürdig glückl'her Ausgang. 
Von den Heimreisen, für die ich beide Male den Weg über 
Constantinopel wählte, war namentlich die erste noch reich an be— 
sonderen Erlebnissen. Das schöne Wetter hielt bis Mitte Dezember 
stand; erst nachdem wir Kedabeg verlassen hatten, änderte es 
sich, und auf dem Rion überfiel uns ein fürchterliches Unwetter. 
Mit Mühe und Noth erreichten wir Poti, mußten dort aber er— 
fahren, daß das Dampfschiff, welches uns weiter bringen sollte, 
bereits vorübergefahren wäre, da eine Einschiffung bei solchem 
Wetter unmöglich war. Wir, nämlich die ganze auf dem Fluß— 
dampfer angekommene Gesellschaft, waren also gezwungen, in dem 
einzigen, höchst traurigen sogenannten Hotel des Ortes für eine 
Woche Unterkommen zu suchen. Es ist das wohl die unangenehmste 
Woche meines Lebens gewesen. Ein heftiger Sturm wüthete die 
ganze Nacht, nicht nur draußen sondern auch in meinem Zimmer. 
Wiederholt erhob ich mich, um Fenster und Thür zu untersuchen, 
fand jedoch Alles geschlossen. Am nächsten Morgen aber sah ich 
mein Zimmer voller Schneeflocken und entdeckte, daß sie durch 
weite Spalten im Fußboden eingedrungen waren. Die Häuser 
sind in Poti des sumpfigen Bodens halber auf Pfählen erbaut, 
dadurch fand dieses Wunder des Schneefalles im geschlossenen 
Zimmer seine Erklärung. Das Unwetter dauerte ohne Unter— 
brechung mehrere Tage, und was mir den Aufenthalt noch besonders 
unangenehm machte, war, daß ich mir eine keftige Bindegewebe— 
entzündung des einen Auges zugezogen hatte 5* schmerzhafte, 
durch keine ärztliche Hülfe gelinderte Entzundung Lie enge, mit
	        
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