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Erinnerungen vom Juni 1890, Harzburg

Full text: Lebenserinnerungen / Siemens, Werner von (Public Domain)

Zweite Tour in den großen Kaukasus. 
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über den breiten und schnell strömenden Kur, dessen linkes Ufer 
wir zur Mittagszeit erreichten. Wir fanden einen einzigen kleinen 
Nachen vor, der nur wenige Personen tragen konnte, entdeckten 
aber keine Ruder zu seiner Fortbewegung, die übrigens bei der 
schnellen Strömung auch nicht viel genutzt haben würden. Die 
von unsern Begleitern benutzte Uebergangsmethode war sehr inter— 
essant, und ich empfehle sie dem Herrn Generalpostmeister zur 
Aufnahme in die Beschreibung der Urzeit der Post. Die beiden 
besten Pferde wurden ins Wasser geführt, bis sie den Boden unter 
den Füßen verloren. Dann ergriffen zwei im Boote befindliche 
Tataren ihre Schwänze und ließen ** csemmt dem Boote und 
etlichen Passagieren von den schwimmenden Pferden über den 
Strom ziehen. Als das Boot vec Abse zung der Passagiere auf 
dieselbe Weise zurückgebracht war, führten sie mit anderen Pferden 
eine zweite Gesellschaft über, und so ging es fort, bis nur noch 
Tataren zurückgeblieben waren. Zuletzt führten diese ihre Pferde 
ins Wasser und ließen sich an ihren Schwänzen hängend hinüber⸗ 
ziehen. 
Ich war mit meinem Bruder bis zuletzt mit unserer etwas 
bedenklichen Sauvegarde auf dem linken Ufer des Flusses zurückge— 
blieben. Unsere Beschützer hockten verdächtig zusammen und warfen 
uns Blicke zu, die uns nicht recht gefallen wollten. Cigarren, die 
wir ihnen anboten, wiesen sie stolz zurück — wie wir erst später 
erfuhren, weil sie als bigotte Schiiten aus der Hand ungläubiger 
Hunde Nichts annehmen durften. Es schien uns daher zweck⸗ 
mäßig, den Leuten Respekt vor unserer Wehrfähigkeit beizubringen. 
Wir richteten ein angeschwemmtes Brett als Ziel auf und schossen 
nach ihm mit unseren Revolvern, auf die wir gut eingeübt waren. 
Jeder Schuß traf ohne langes Zielen auf große Entfernung das 
Brett. Das interessirte unsere Begleiter sehr, und sie versuchten 
selbst, mit ihren langen, schön geputzten Steinschloßgewehren unser 
Ziel zu treffen, was ihnen aber nicht immer gelang. Darauf kam ihr 
Scheik zu mir und gab durc 7hen verstehen, ich möchte ihm 
meinen Revolver zeigen und Cegen, da er aus 
meiner Hand Nichts nehmen d Died war ein kritischer Mo—
	        
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