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Erinnerungen vom Juni 1890, Harzburg

Full text: Lebenserinnerungen / Siemens, Werner von (Public Domain)

176 Wissenschaftliche und technische Arbeiten bis 1860. 
wurden in üblicher Weise die zum Telegraphiren des Morsealphabets 
erforderlichen Ströme erzeugt. Ju den secundären, mit Linie und 
Erdleitung verbundenen Windungen entstanden dann bei Beginn 
und Schluß der in der primären Leitung ecirkulirenden Ströme 
kurze, kräftige Inductionsströme wechselnder Richtung, die im 
Telegraphenapparate der Endstation die verlangten Morseschrift— 
zeichen hervorbrachten. Zu den Magnetinductoren wurden magne—⸗ 
tisch geschlossene Elektromagnete mit massiven Eisenkernen verwen— 
det, um die Spannung der Schließungs- und Oeffnungsströme 
möglichst gleich groß zu machen. 
Mit solchen Inductionsschreibtelegraphen konnte man mittelst 
eines einzigen Daniellschen Elementes durch oberirdische Linien 
mit Sicherheit auf die größten Entfernungen telegraphiren. Auch 
für unterirdische und unterseeische Linien erwiesen sich die indu— 
eirten Wechselströme als sehr vortheilhaft, denn sie ermöglichten 
es, auf größere Entfernungen und nit größerer Geschwindigkeit 
zu arbeiten. Wie schon erw ul, pent die Linie Sardinien-Malta⸗ 
Corfu im Jahre 1277 nit unseren Inductionsschreibtelegraphen 
ausgerüstet. Auc; zum Betriebe des im darauffolgenden Jahre 
gelegten ersten atlantischen Kabels wurden von dem leitenden 
Elektriker, Mr. Whitehouse, inducirte Ströme benutzt, bis die leider 
bald nach der Legung eintretende Zerstörung der Isolation ihre 
weitere Anwendung verhinderte. Später ging man bei langen 
Unterseelinien allgemein zur Anwendung der Thomsonschen Spiegel⸗ 
galvanometer mit Batterieströmen zurück. 
Auch für Landlinien stellte sich bei Anwendung der kurzen, 
inducirten Ströme der Nachtheil ein, daß diese sehr kräftig sein 
mußten, um die nöthigen mechanischen Bewegungen am Ende der 
Linie ausführen zu können. Da aber die Instandhaltung sehr großer 
Batterien, wie sie der Betrieb langer Linien mit Gleichstrom oder 
Batterie-Wechselsicom erforderte, beschwerlich und kostspielig war, 
so versuchten Hald no ich, auf mechanischem Wege Batterieströme 
niedriger Spanuung in Gleichströme höherer Spannung umzu— 
wandeln. In den Weltausstellungen zu London und Paris stellten 
wir mehrere, zu diesem Zwecke von uns construirte Mechanismen
	        
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