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Erinnerungen vom Juni 1890, Harzburg

Full text: Lebenserinnerungen / Siemens, Werner von (Public Domain)

Brief an Gordon. 
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stark ist und die Nadel auf Null steht. Dann liegt der Fehler ksin der Mitte 
und man kann die Entfernung von der Küste berechnen. 
Bei gut isolirten Drähten geht dies mit vollkommener Genauigkeit, bei 
schlecht isolirten, wie das Bonakabel es ist, wenigstens mit annähernder Genauig— 
keit. — Herr Viechelmann hat den Apparat im Zollaimt zu Marseille zur Dis— 
position gelassen. Im Telegraphenbureau liegt dort ein Brief von Viechelmann 
an Newall, in welchem die Auslieferungsordre enthalten ist. 
Die Kabeltheorie betreffend, so ist meine Auffassung folgende. 
Wenn AB (Figur 2) ein biegsames Kabelstück vorstellt, welches man durch 
einen gewichtlosen Draht BC am Himmel festgebunden hat, so wird das Kabel 
bis auf den Grund fallen, ohne im suspendirten Theile aus der graden Linie zu 
kommen, da er in jedem Punkte gleich schnell fällt. mu, op sind gleich lang. 
Jeder Punkt fällt gleich schnell nieder und die neue Verbindungslinie n p muß 
wieder eine gerade sein. Die während des Falles auf den Draht BC zerreißend 
wirkende Kraft ist T sin , wenn Qdas Gewicht des suspendirten Kabels 
im Wasser ist, oder :dt eines senkrecht herabhängenden Kabelstückes BD, 
da AB.sin« GHraft Kugeringer, wie für das Gleichgewicht 
nöthig ist, so rutscht das Kabel nach A zurück, und die Endgeschwindigkeit ist 
erreicht, wenn die Reibung im Wasser der fehlenden Kraft gleich ist. Ist dagegen 
Kugrößer wie nothwendig, so bekommt das Kabel eine Geschwindigkeit nach B 
hin, es wird mithin der Verlust, d. i. die Differenz der Längen AB und AD 
wieder aufgenommen und das Kabel legt sich in grader Linie, also ohne Verlust 
auf den Boden. Die Neigung « ist hiernach ganz unabhängig von der Größe 
der Kraft K. Sie zeigt einfach das Verhältniß der Geschwindigkeit des Sinkens 
zur Fortbewegung des Schiffes an. Wird nämlich das Kabelende Bäanstatt an dem 
gewichtlosen Draht BC über eine Rolle geführt, und geht die Rolle mit dem Schiffe 
von Benach E, während das Kabel die Höhe mu fällt, wird endlich das Kabel mit 
derselben Kraft Kczurückgehalten, so ändert sich gar nichts in den Gleichgewichts— 
bedingungen. Wird die Bremse, welche das Kabel zurückhält, so angespannt, 
daß gerade Gleichgewicht eintritt, asss K—Qsin « ist, so hat das Kabel gar 
keine axiale Geschwindigkeit; es fällt senkrecht nieder, und man hat den dem 
Winkel entsprechenden Verlust. Ist Kngrößer, so legt man mit geringem oder 
ohne Verlust, ist Kukleiner, so kann der Verlust sehr groß sein. Je schneller in 
setzterem Falle die Bewegung des Schiffes ist, desto länger wird AB, desto 
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