Path:
III. Gontards Wirken unter Friedrich Wilhelm II. (1786-1791)

Full text: Leben und Wirken Karl von Gontard's / Wallé, Peter (Public Domain)

schwülstige und unorganische vermieden wird, Den Namen hat das 
Palais von der kostbaren Verkleidung der Mittelbauten aller Fronten 
mit Marmor. Ein charakteristisches (jepräge als Landhaus erhielt der 
Ban durch die Anlage einer Sänlenhalle mit offenem Balcon an der Sec- 
seite, sowie durch die anmuthige Ausbildung des über dem Treppen: 
nause sich erhebenden Belvcderes, Für die Entwürfe der Figuren- 
friese und Rundbilder, an denen die Bildhauer Kekstein, Schumann 
and Wohler arbeiteten, stand ihm der Maler Bernhard Rode zur Seite, 
Während das Innere später von Langhans ausgeführt wurde, 
unterliegt es heute keinem Zweifel mehr, dafs das Palais in seinem 
Entwurf, wie seiner Gesamtarchitektnr des Aeulsceren das Werk 
fontards ist, der von 1757 ab den Bau bis zum Ende des Jahres 1789 
leitete, nicht aber, wie es allgemein heifst, schon 1788 zurücktreten 
mußte. In den Geheimen Acten Friedrich Wilhelms IT. tindet sich 
an Senreiben Gontards, worin er berichtet, dafs er zur thunlichsten 
Beschleunignng der Arbeiten am Neuen Palnis 24 Marmorarbeiter, 
30 Marmorschleifer und 40 Steinmetzen beschäftige. Er fragt dabei 
in, ob er die Zeichnungen zn den Kammern jetzt machen solle, 
damit man in 14 Tagen mit den Plafonds beginnen könne. Dieses 
lienstliche Schreiben ist vom 7. September 178% nnd beweist, dafs 
Jmanals Gontard noch in veller Thätigkeit war, Bald nachher mag 
er ausgeschieden sein, denn Wiälhner Läfst im Februar 1790 die ersten 
jetzt noch im lHMohenzollernmuseum befindlichen Zeichnungen von 
Langhaus für die Einrichtung der Schlafstube dem Könige uunter- 
breiten, Horyath („Der Kgl. Neue tiarten“, 1802) sagt, dals auch 
Ne Küche |Marstempeli am See und die Einrichtung des Con- 
sertsaals im Marmorpalais von Gontard herrühren.*) 
Mierfchtnng der Könirskammervp. 
Gleichzeitig hiermit war der vielbeschäftigte Architekt 1787 und 
[788 bei der Neueinrichtung der König-kammern im Schlosse 
zu Berlin thätig. Fs handelte sich dabei um «die am Lustgarten 
belegene Zimmertincht im ersten Stock, die zum Theil früher von 
jen Schwestern Wriedrichs des Grofsen, der Königin Ulrike von 
Schweden and der Prinzessin Amalie, der Achtissin von Quedlinburg, 
Angenommen worden. Hier waren es fünf gröfsere Kammern, an 
leuen er unter Mitwirkung «des Bildhauers Tassaert, des Malers 
Rosenberx und bewährter Kräfte wie Sartori und Gügel sein deeo- 
‚atives Talent enifalten konnte. während Erdmannsdorf die übrigen 
Känme, so den Parolesaut und den Pfeilersaal, architektonisch strenger, 
m ganzen aber doch steifer durchtührte. Die Beschreibung der 
*) Bald nach Gontards Ahgang meldete Langhans. dals der 
Architrav des Balcons gebersten sei, was sich bei näherer Unter- 
suchung als ganz ungefährlich erwies: der Architrav ist hente noch 
in seiner Stelle, Kurz nacaher wurde geklagt, dafs das Belvedere 
undicht sei: am Ende kam heraus, dafs In Foige unsinmgen Jleizens 
m Treppenhaus an der Decke sich etwas Schwitzwasser gesammelt 
hatte. So ist Gantard anch nachher noch wiederholt Ynvrecht zu 
yzefiiet worden.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.