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II. Gontards Wirken unter Friedrich dem Grossen (1764-1786)

Full text: Leben und Wirken Karl von Gontard's / Wallé, Peter (Public Domain)

Jie Känigscolonnaden am Alexanderplatz zählen zu den 
zelungensten Schöpfungen Gonte-ds, Hier trat für den Künstler als 
un neues Moment hinzu, dafs der Hintergrund der Hallen in alten 
Bitumen hestand, weiche von vornherein auf leichtere. landschutilich- 
zeföllige Formen hinwiesen. 
50 hat denn hier der Architekt ungehindert seiner Neigung 
nachrehen können, in zlücklicher Vereinigung von Architektur und 
Bildhauerei ein Werk zu schaffen, das durch ein geschiektes Abwägen 
der Formen und Flächen gegen einander, sowie durch richtige Ver 
Heilung des ornamentalen und figürlichen Schmucks eine Meister 
leistung geworden ist.*) 
Bei diesen Colonnaden darf man nicht den Entwurf der Königs- 
hrücke vergessen, die in ihrer Art echenfalls zu den besten Werken 
les alten Berlin zählte, In sieben elliptischen Bögyen von mäfsiger 
Weite überspannte sie den alten Königsyraben, der erst vor einiven 
‚Jahren zu Gunsten der Stadtbahn zugeschüttet wurde. 
Die treffliche Lösung der hier gestellten Aufgabe sowohl, wie 
besonders der Colonnaden, legten dem König den Gedanken nahe, 
auch andere unschöne Punkte seiner Hauptstadt architektonisch 
zu heben, Dahin zählten aber vor allem die heiden Kirchen 
auf dem Gensdarmenmarkt, die nach Beseitigung der Pferde- 
ställe des Regiments Gensdarmes (1773) dem neubebauten Fried- 
vichsstädtischen Markt sicherlich nicht zur Zierde gereichten. Wenn 
Jer König die prächtig angelegte Markgratenstrafse hinunterfuhr, um 
durch die Lindenstrafse zu dem alten Paradefeld der Berliner Garnison 
zu gelangen, so konnten ihn die nnanschnlichen, auf dem grofsen 
Platze fast verschwindenden Baulichkeiten wohl verstimmen. 
Gontard erhielt 1720 den Aufirag, östlich der beiden Kirchen 
thurmartige Vorbauten zu schaften, die der Größe der Umgebung in 
künstlerischer und mafsstablicher Hinsicht Rechnung trugen. Für 
uns kann es gleichgültig sein, ob der König der Sage nach dabei an 
lie nicdrigen Kirchen der Piazza del PPopolo in Rom gedacht hat, 
oder ob, wie andere wollen, die 'Thürme des Hospitals zu Greenwich 
oder die Kirche Ste. Genevicve in Paris vorbildlich waren, immer 
Kann doch nur von einer ganz allgemeinen Verwandtschaft, niemals 
aber von einer wirklichen Nachahmung die Kede sein. 
Der Aufbau der Thürme ist in jeder Beziehung so sehr der 
zebotenen Grundlage und der ganzen Umgebung angepafst, dafs wir 
as auch hier mit einer selhständigen, hervorragenden Arheit Gontards 
zu thun haben. 
Durch die Gensdarmnthürme erst hat dieser an und für sich 
übermüäfsig grofse Platz eine räumliche "Theilung erfahren, welche 
für seine ganze künstlerische (jestaitung auch in der späteren 
Zeit von grofser BRBedentung geworden ist, Dabei ist die Fr 
* Die Könirscolonnaden wären bei dem Bau der Stadtbahn 
beinahe zum Abbruch gekommen, sind aber durch Baurath Friedrich 
Schulze vor diesem Schicksal bewahrt, sowie hald nachher wieder 
n Stand geserzt. mn! als Eingang zur Gontardstralse ervanzt worden
	        
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