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Praktische Eisenbahnstudien und Reisen

Full text: Erinnerungen aus dem Leben von Hans Viktor von Unruh / Poschinger, Heinrich von (Public Domain)

Praktische Gisenbahnstudien und Reisen. 
Schon seit 1829 hatte ich mich für den Bau von Eisenbahnen in England 
sehr interessirt und darüber gelesen, was ich auftreiben konnte. Es war mir 
daher erfreulich, daß ich aufgefordert wurde, in das Komite für die ober— 
schlesische Eisenbahn einzutreten und die Vorarbeiten zu leiten für ein von mir 
selbst in Vorschlag gebrachtes mäßiges Honorar, das die Auslagen vollkom— 
men deckte. 
Reise nach Süddeutschland. 
Im Auftrage und auf Kosten desselben Komites machte ich im Herbst 
1837 eine Entdeckungsreise auf Eisenbahnen, ging zuerst nach Dresden, bereiste 
die im Bau begriffene Leipzig-Dresdener Bahn, kam auch auf die Baustelle der 
Elbbrücke bei Riesa. Hier fiel mir zweierlei auf: die Unliebenswürdigkeit der 
sächsischen Baumeister und die höchst mangelhafte Ausführung der Brückenpfeiler, 
nach veralteten Methoden und ohne genügende Hilfsmaschinen. Als jetzt“) 
vor kurzem die inzwischen mit Benutzung der alten Pfeiler erweiterte Brücke 
einstürzte, wunderte ich mich nur darüber, daß der Einsturz nicht früher 
erfolgt war. 
Im großen Einschnitt bei Machern sah ich die erste Lokomotive Erde 
transportiren. Es wurde mir gestattet, mitzufahren. Das erste Dampfroß 
das so große Veränderungen in der kultivirten Welt hervorbringen sollte, 
machte einen eigentümlichen Eindruck auf mich. Sehr freundlich nahm mich 
das Personal der kleinen Nürnberg-Fürther Bahn auf. Ich konnte mich speziell 
über alles genau unterrichten. Ebenso erging es mir bei der Besichtigung des 
noch im Bau befindlichen Donau-Main-Kanals. Dort lernte ich den damaligen 
Chef des Wasserbauwesens in Bayern, Pechmann, den Regierungsbaurat 
Beischlag und Bauinspektor Panzer kennen, alle drei sehr gescheite, tüchtige Leute, 
die mich, obgleich durch niemand empfohlen, bei der Bereisung einer erheblichen 
WGeschrieben 1876.
	        
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