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Die Konfliktszeit in Preußen

Full text: Erinnerungen aus dem Leben von Hans Viktor von Unruh / Poschinger, Heinrich von (Public Domain)

wenigstens auf Zeit bewilligt werden müßten, wenn Aussicht vorhanden sei, 
daß Bismarcks Politik sich wirklich auf Einigung Deutschlands richte; sie ge— 
standen aber zu, daß darüber Sicherheit nicht zu erlangen sein werde und 
daß es sehr fraglich sei, ob Bismarck selbst, wenn er seine Politik von 1859 
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Hofe und der starken österreichischen Partei an demselben. Man müsse ab— 
warten, wie sich Bismarck benehmen werde. 
Nach der Annexrion Hannovers hat mich Miquél daran erinnert, daß ich 
gegen ihn und andere in Coburg Bismarcks bedeutende Eigenschaften hervor— 
gehoben und ihn richtig geschildert habe. 
Mein Eintritt in das Abgeordnetenhaus. 
In eben jene Zeit des Herbstes 1862 fiel die Aufforderung meiner näheren 
Freunde, mich in das Abgeordnetenhaus wählen zu lassen. Ich stimmte endlich 
zu und trat im Januar 1863 ein.*) Ich fand die Stimmung der Majorität 
keineswegs einer Verständigung mit der Regierung abgeneigt, aber doch ent— 
schlossen, den Forderungen derselben nicht in ihrem ganzen Umfange nachzu— 
geben, sondern nur begrenzte Zugeständnisse zu machen. Das Auftreten der 
Regierung und ihr Festhalten an der Militärreorganisation in ihrem ganzen 
Umfange ließ es zu keinerlei Vergleichsverhandlungen kommen, denen auch die 
eigentliche Linke äußerst abgeneigt war. Die neu ernannten Minister gehörten 
zur streng konservativen Partei, zum Teil zur Reaktion. Ihnen gegenüber 
bereinigten sich alle oppositionellen Elemente in der schon unter dem frühern 
Ministerium entstandenen Fortschrittspartei, die daher aus den Radikalen, den 
entschieden Liberalen und den Gemäßigten bestand und sogar Abgeordnete ent— 
hielt, die unter einem normalen Ministerium und ohne den Konflikt zur ge— 
mäßigten Rechten gehört haben würden. Auch demokratisch-ultramontane Ge— 
iinnungen ließen sich bei einzelnen erkennen. 
*) v. Unruh war Mitglied des Abgeordnetenhauses bis 1873. Er ist als Redner im 
Plenum verhältnismäßig nicht sehr hervorgetreten. Seine Reden sind zu finden in den steno— 
graphischen Berichten von: 18663: Bd. J. 55-60, S. 129, 130, 255-258, 265, 286, 
355, 391, 392, Bd. II. S. 1143, 1144 - 1149, 1263, 1265—- 1269, 1293, 1298, 1300; 
1864: Bd. J. S. 499, 507, 511, Bd. II. 577, 88*8; 1865: Bd. J. 675, Bd. II. 811, 
*49, 863, 897, 907, 911, 1034, 1038, Bd. III. 1542, 1925, 1857, 2217; 1866: Vor 
dem Kriege S. 49, 138. Nach dem Kriege Bd. J. 18, 21, 50, 435, Bd. Il. 555, 631, 
700, 724, 726, 832. 868, 892, 1035, 1067, 10806, 1090, 1097, 1117, Bd. III. 1802, 
1959; 1867: 62 j. 78; 1868: Bd. J. 84, 242, 374, 380, 398, 412, 515, Bd. II. 648. 
898, 924, 1030, 1274, Bd. III. 1487, 1401, 1860, 1897, 1903, 2022: 186869: Bd. J. 
320, 640, 930, Bd. II. 1087, 1440, 1636, 1655, 1864; 1869,70: Bd. J. 373, 377, 
Bd. II. 1046, 1018, 1064, 1073, 1087, 1080, Bd. III. 1444, 1523, 1813; 1870771: 
166, 515, 738.
	        
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