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Periode von 1849 bis 1859

Full text: Erinnerungen aus dem Leben von Hans Viktor von Unruh / Poschinger, Heinrich von (Public Domain)

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Politik zu treiben, weil die damalige österreichische Regierung darauf ausginge, 
Preußen zu schädigen und bei günstiger Gelegenheit zu Grunde zu richten. Ich 
äußerte meine Freude darüber, daß Bismarck von seiner Zuneigung zu Oesterreich 
bekehrt worden sei, und fragte nun, ob er sich wohl noch des scherzhaften Gesprächs 
zwischen uns im Jahre 1849 erinnere, wobei er mir seinen Beistand für den 
Fall zugesichert habe, daß seine Partei siege? Bismarck lachte, bejahte meine 
Frage und erkundigte sich darnach, was mich jetzt dazu veranlasse, ihn daran 
zu erinnern. Nun erzählte ich ihm, in welcher Art die Regierung mich ver— 
folge und mich am redlichen Erwerbe meines Unterhaltes hindere. Bismarck 
tadelte heftig dies Verfahren und setzte hinzu, es sei ein Unglück, daß Hinckeldey 
dem Könige weis gemacht habe, hinter jeder Littfaßsäule (welche zu öffentlichen 
Anschlägen dient) lauere eine Revolution. Es thue dringend Not, endlich an 
Versöhnung zu denken; er werde thun, was in seinen Kräften stehe, um die 
neueste Verfolgung gegen mich zu beseitigen. 
In der That fuhr Bismarck meinethalben zu Ministern und anderen Per— 
sonen der entscheidenden Kreise und schrieb mir dann, bei den Ministern sei 
nichts auszurichten, die Sache müsse im Kabinet geordnet werden, was er für 
möglich halte. Bismarck riet mir, den Geheimen Kabinetsrat Niebuhr zu be— 
suchen, wenn ich es auch vielleicht ungern thue. Offenbar hatte Bismarck mit 
ihm über mich gesprochen. 
Da Niebuhr den Streit mit mir in Magdeburg schließlich in anständiger 
Weise beendigt hatte, so entschloß ich mich, zu ihm zu gehen. Ohne zu petitio— 
niren, teilte ich ihm mündlich mit, um was es sich handle, worauf er mir 
sagte, der Verwaltungsrat meiner Gesellschaft solle direkt beim Könige ein— 
kommen und um Aufhebung des gegen mich gerichteten Ministerialreskripts 
bitten. Dies geschah. 
Inzwischen hatte ich erfahren, daß der König, dem man zugetragen hatte, 
daß ich den Bau der Gasanstalt in Potsdam von Dessau aus leitete, geäußert 
— DDDV 
er Potsdam erleuchte.“ — Die Eingabe des Verwaltungsrats wurde dem 
Minister des Innern von Westphalen zum Bericht zugefertigt. Auch diesen 
besuchte ich persönlich, wurde höflich aufgenommen, aber bedeutet, der Minister 
könne nicht dulden, daß in Berlin mehr als tausend Arbeiter unter meinem 
Kommando ständen. Vergeblich wies ich darauf hin, daß der Minister von 
der Heydt mich nach Berlin gezogen und der Polizeipräsident nichts dagegen 
einzuwenden hatte. Herr von Westphalen soll an den König berichtet haben, 
daß er für die Ruhe Berlins nicht einstehen könne, wenn man mich zuließe. 
Der Verwaltungsrat wurde abschläglich beschieden. So blieb mir nichts übrig, 
als auf das schon erwähnte Anerbieten einzugehen, lediglich als Mitglied des 
Verwaltungsrats bei der Gesellschaft thätig zu sein, bis ein Ministerwechsel 
stattfinde. Pflug wurde zum Generaldirektor erwählt, und obgleich derselbe
	        
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