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Periode von 1849 bis 1859

Full text: Erinnerungen aus dem Leben von Hans Viktor von Unruh / Poschinger, Heinrich von (Public Domain)

„glänzende Carrière“ bevor. Herrn von Maaßen, einen wohlwollenden, aber 
ängstlichen Mann, kannte ich zu gut, um nicht sofort zu vermuten, daß er in 
höherem Auftrage und nicht aus eigenem Antriebe mit mir verhandle. Um 
darüber ins klare zu kommen, wies ich die Idee des Herrn von Maaßen 
aicht sofort zurück, sondern erwiderte nur, wenn der Minister von der Heydt 
mich im Staatsdienst verwenden wollte, so würde er mich nicht mit polnischem 
Abschied aus demselben entfernt haben. Die Regierung würde mich sicherlich 
zurückweisen. „Ganz gewiß nicht,“ meinte Herr von Maaßen eifrig, „man 
wird Sie sehr gerne wieder nehmen.“ — „Nun,“ äußerte ich, „wenn man 
mich wieder anstellt, so wird man mich nach Gumbinnen, Marienwerder oder 
Oppeln schicken.“ — „Keinesweges,“ fiel Herr von Maaßen ein, „man wird Sie 
dielleicht zunächst als technisches Mitglied bei einem Eisenbahnkommissariat ver— 
wenden. Dann wissen Sie ja, daß der Bau einer großen Brücke über den 
Rhein bei Köln in naher Aussicht steht. Dazu sind Sie nach Ihren Erfahrungen 
bei der Wittenberger Brücke offenbar sehr geeignet.“ 
Nun wußte ich genug. Das kam nicht aus dem Kopfe des Herrn von 
Maaßen. Am liebsten hätte ich diesen gebeten, seinem Minister zu sagen, ich 
diene unter einem Manne nicht, der wie Herr von der Heydt gegen mich çe— 
handelt. Indessen wußte ich, daß der letztere es immer in der Hand haben 
würde, jedem neuen Unternehmen in einem andern Geschäftszweige zu schaden, 
wenn ich mich daran beteiligte. Um dazu meinerseits nichts beizutragen, er— 
klärte ich gegen Herrn von Maaßen, ich hätte niemals den Ehrgeiz besessen, 
Carrière zu machen, und schon 1844 in Potsdam mich dahin ausgesprochen, 
jch werde niemals als Geheimer Oberbaurat nach Berlin gehen und Geheimrats— 
jöhren erziehen. Was der Staat mir an Gehalt bieten könne, verdiente ich 
mir in der Privatindustrie doppelt oder dreifach in der anständigsten Weise 
und könne, wenn ich Glück habe, in redlicher Art mein kleines Vermögen ver— 
mehren. Dazu komme, daß ich seit einer Reihe von Jahren große Selbständig— 
keit gewohnt sei, die im Staatsdienst fehlen würde. Ich danke daher ver— 
bindlichst für den freundlichen Rat, könne aber darauf nicht eingehen. Beim 
Nachhausegehen aus der Generalversammlung forderte Herr von Maaßen mich 
wiederholt auf, mir die Sache doch ja recht reiflich zu überlegen und einen 
andern Entschluß zu fassen. Als ich darauf erwiderte, ich würde die An— 
gelegenheit gewiß noch gründlich in Ueberlegung nehmen und ihm brieflich 
Nachricht geben, wenn ich zu einer andern Meinung kommen sollte, sagte Herr 
don Maaßen, das könne nichts helfen, er müsse meinen definitiven Entschluß 
roch vor seiner heutigen Abreise erfahren. Jetzt war es ganz klar, daß Herr 
oon Maaßen am andern Tage Bericht zu erstatten hatte. Ich antwortete daher, 
dann möge er meine heutige Erklärung als eine ganz definitive ansehen.
	        
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