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Full text: Max von Forckenbeck / Steinitz, Heinrich (Public Domain)

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die an ihren berühmten Führer gerichtete Aufforderung 
war, den Zweikampf als unvereinbar mit seinen parla— 
mentarischen Pflichten abzulehnen. Am 8. Juni brachte 
Forckenbeck die Angelegenheit im Abgeordnetenhause zur 
Sprache und äußerte sich unter lebhaftem Beifall der großen 
Majorität folgendermaßen: 
„Ich habe nicht zu untersuchen, in wie weit ein Mann 
überhaupt vermöge der Vorurtheile gewisser Gesellschafts— 
klassen zu einem von dem Gesetze dieses Staates mit 
Strafe bedrohten, von der Religion, von der Moral und 
von dem Bewußtsein des bei weilem überwiegenden Theiles 
aller Gesellschaftsklassen gemißbilligten Duell gezwungen 
werden kann? Das mag Jeder im gegebenen Falle mit 
sich selbst ausmachen. So aber liegt die Sache hier nicht. 
Wer, sei es als Abgeordneter, sei es als Minister in die 
Räume dieses Hauses eintritt, um über Rechte, Freiheiten 
und Interessen des Landes zu verhandeln, der hat alle 
Vorurtheile und die Einwirkung aller Vorurtheile draußen 
vor der Thüre zu lassen. Die persönliche Ehre des Herrn 
Minister-Präsidenten unterliegt der Verfassung dieses Landes 
und der Geschäftsordnung dieses Hauses ebenso, wie die 
ganze, große Ehre des Vandes und der Interessen des 
Landes, die hier verhandelt werden. Der Abgeordnete 
Virchow würde meiner Ansicht nach seine Pflicht gegen 
das Land als Abgeordneter verletzen, wenn er eine 
Forderung zum Duell annehmen wollte. Der Minister— 
Präsident aber würde sich des schwersten Attentats gegen 
die Verfassung, gegen die durch die Verfassung geschützten, 
zur Aufrechterhaltung der bürgerlichen Freiheit dieses Landes 
nothwendigen Privilegien dieses Hauses schuldig machen, 
wenn er von einem Abgeordneten wegen einer parlamen— 
larisch nicht gerügten Aeußerung Rechenschaft durch ein 
Duell fordern wollte. Das Duell darf nicht stattfinden 
umd kann nicht stattfinden. Sie, Herr Präsident, sind 
berufen, die Rechte und Freiheiten der Mitglieder dieses 
Hauses und damit die Rechte und Freiheiten dieses Landes 
zu wahren. Ich bitte Sie, Herr Präsident, Ihre Schuldig⸗ 
ieit zu thun, und dem, was ich gesagt habe, den geeigneten 
Ausdruck in diesem Hause zu geben.“
	        
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