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Die öffentlichen Strassen und Plätze

Full text: Festschrift zur XXXV. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (Public Domain)

Die öffentlichen Strassen und Plätze. 
Wird auf diese Weise eine auch den weitgehendsten Anforderungen genügende 
Verbindung des Stadtinneren mit den westlich und südlich davon belegenen Teilen 
des Weichbildes in kürzester Frist hergestellt sein, so sind doch auch die Rück- 
sichten auf eine zweckmässigere Einführung der von anderen Himmelsrichtungen dem 
yleichen Ziele zustrebenden Strassenzüge nicht vernachlässigt worden. 
Verhandlungen bezüglich Weiterführung der Kaiser Wilhelmstrasse in nordöst- 
licher Richtung bis zur Prenzlauer- bezw. Schönhauser Allee sind, wie bereits ange- 
deutet, im Gange; mit einer Verbreiterung der Rosenstrasse, welche in Fortsetzung 
der Spandauerbrücke und des Hackeschen Marktes die von Norden und Nordwesten 
her dort mündenden Verkehrswege aufnimmt, wird noch im laufenden Jahre begonnen 
werden, und für eine Weiterführung der Stralauerstrasse nach Osten zu in die Richtung 
der Blumenstrasse und des Grünen Weges hat nicht nur auf dem Wege des (Gesetzes 
die Festsetzung der Fluchtlinien schon vor einer Reihe von Jahren stattgefunden, 
sondern es ist auch bereits eine Strecke des neuen Strassenzuges zur Ausführung ge- 
bracht worden. Wir müssen darauf verzichten, kleinere, demselben Zwecke dienende 
Unternehmungen ähnlicher Art, wie die bisher erwähnten, hier des weiteren zu be- 
sprechen; aber wir dürfen es uns nicht versagen, an dieser Stelle wenigstens zu bemerken, 
dass die sehr erheblichen Kosten und Mühewaltungen, welche die städtischen Behörden 
in der Zeit von 1876 bis zur Gegenwart für die Verbesserung der Verkehrszüge in den 
Altstädten Berlin und Kölln aufgewendet haben, keineswegs mit einer Vernachlässigung 
der anderen Stadtteile gepaart waren. Vielmehr ist in demselben Zeitraum auch hier, 
wo das Bedürfnis es erheischte, überall die bessernde Hand angelegt worden; Zeugen 
dieser Thätigkeit bilden, um nur die grösseren Arbeiten auf gedachtem Gebiet zu er- 
wähnen, die Anlage des Reichstagsufers von der Kronprinzenbrücke bis zur Weiden- 
dammerbrücke in Verbindung mit einer Verbreiterung der Georgen- und Neustädtischen 
Kirchstrasse, die Verlängerung der Zimmerstrasse bis zur Königgrätzerstrasse, der 
Charlottenstrasse bis zum Weidendamm, die Durchbrechung des sogenannten Bullen- 
winkels behufs Einführung der Taubenstrasse in den Hausvogteiplatz, die Anlage einer 
Strasse unter den Gleisen der Berlin-Potsdamer, Berlin-Dresdener und Anhalter Eisen- 
bahn hindurch zur Verbindung der Bülowstrasse mit der jenseits der genannten Bahnen 
belegenen Yorkstrasse, die Verlängerung und Verbreiterung der Artilleriestrasse, die 
Durchlegung und Verlängerung der Lietzmannstrasse, der Koppenstrasse. der Andreas- 
strasse, der Perlebergerstrasse, der Wilsnackerstrasse usw. 
Nur in sehr vereinzelten Fällen ist das Bedürfnis nach Licht und Luft bei den 
im Vorangehenden aufgeführten Strassenanlagen allein bestimmend gewesen; der über- 
wiegenden Mehrzahl nach waren es Rücksichten auf den Verkehr, durch welche die 
städtischen Behörden bei ihren Entschlüssen geleitet wurden, wenn auch nebenher 
dabei, wie es in der Natur solcher Unternehmen liegt, bei jedem einzelnen ein reich- 
licher Gewinn an Licht und Luft erzielt wurde. 
Es ist eine schwierige, ja unlösbare Aufgabe, von dem Verkehr, wie er sich auf 
den Strassen eines grossen städtischen Gemeinwesens abspielt, ein auch nur annähernd 
richtiges Bild zu geben, vollends, wenn es in Grenzen zu geschehen hat, wie sie eine 
Festgabe, wie die vorliegende, dem Berichterstatter zu stecken pflegt. Einige statistische 
Angaben über die öffentlichen Verkehrsmittel und die durch diese beförderten Personen, 
sowie Angaben über einige an den Hauptverkehrstellen der Stadt angestellte Zählungen 
müssen als dürftigyer Ersatz für das bunte und belebte Gemälde in Kauf syenommen
	        
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