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Der städtische Schlacht- und Viehhof

Full text: Festschrift zur XXXV. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (Public Domain)

Der städtische Schlacht- und Viehhof, 
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Die Albuminfabrik ist 48 m lang, 15m breit und enthält im Keller das Schröpf- 
lokal, in welchem die Trennung des Serums (Blutwasser, das fast nur aus Eiweiss 
besteht) von der Placenta (Blutkuchen) geschieht, was im allgemeinen in rd. 30 Stunden 
vor sich geht. Hat sich das Serum in weiteren 24 Stunden durch Absetzen geklärt, 
so wird es in die darüber liegende Raffinerie und von dieser in den Waschraum 
gebracht, dort chemisch weiter behandelt und gelangt dann in die rechts oben lie- 
genden gewölbten Trockenstuben, wo es bei einer Temperatur von 48 bis 50° C ge- 
trocknet und dann in die im Dachboden befindlichen Lagerräume gebracht wird. 
Die getrockneten Blutkuchen finden als Düngemittel Verwendung. Die Luft für die 
Trockenstuben wird in Heizkörpern erwärmt. Die warme Luft wird durch im Fuss- 
boden der Trockenstuben angeordnete, vielfach verzweigte Kanäle so geführt, dass 
sie sämtliche in den Trockenräumen aufgestellte Gerüste gleichmässig durchstreift 
und schliesslich durch in den Gewölben angebrachte Ventilatoren über Dach entweicht. 
Sämtliche Räume sind im Innern in Rohbau ausgeführt mit wasserdichten Fussböden 
und gewölbten Decken. 
Die Talgschmelze ist durchweg unterkellert; die Kellerräume dienen zur 
Lagerung der fertigen Produkte. Aus dem Rohtalglager wird der Talg mittels Fahr- 
stuhls in das erste Stockwerk geschafft und hier gesondert, der gute wird gewaschen, 
gereinigt, durch Maschinen in kleine Stücke geschnitten, in offenen Bottichen bei 
40° C geschmolzen und dabei durch Rührwerke durchgerührt. Aus diesen Bottichen 
läuft er in darunter im Erdgeschoss stehende Bottiche, wo er wieder erstarrt. Von 
hier gelangt er in den Füllraum, wo er in kleinen Packeten, in Leinwand gehüllt, 
durch hydraulische Pressen bei einer Temperatur von 30°C gepresst wird, durch 
welchen Prozess das Margarin sich absondert und in besondere Gefässe zum Versand 
geleitet wird. Das Margarin sowie der zurückbleibende fein ausgeschmolzene Talg 
werden hauptsächlich zur Fabrikation künstlicher Butter verwendet. Der geringere 
Talg wird in geschlossenen kupfernen Blasen geschmolzen und dann in Bottiche ge- 
leitet, wo er erstarrt und dann zum Versand an Seifen- und Stearinfabriken in Fässern 
verpackt wird. 
Die Kaldaunenwäsche; die innere Einrichtung entspricht im wesentlichen 
der der Schlachthäuser. 
Die Darmschleimerei enthält im Kellergeschoss die in Zement gemauerten 
Gruben zum Einsalzen der Därme, im Erdgeschoss den Schleimraum und das Kontor 
und darüber einen hohen, in 2 Stockwerke geteilten Bodenraum zum Aufhängen 
und Trocknen der gereinigten Därme. 
Auch der Schlachthof hat seit der Betriehseröffnung verschiedene Erweiterungen 
und Ergänzungen erfahren. 
Die Rinderschlachthäuser haben bisher für das Bedürfnis nahezu ausgereicht, 
nachdem eine im Jahre 1882/83 für den Fleisch-Einzelverkauf (dessen Entwicklung 
indes den Erweiterungen nicht entsprach) erbaute Halle zum Schlachthaus für Klein- 
vieh eingerichtet worden war. 
Für die Schweineschlächterei ist ein drittes Schlachthaus von 19 m Tiefe mit 
35 Schlachtkammern erbaut und damit die tägliche Leistung auf 4000 bis 4200 Schweine 
erhöht worden, Entsprechend sind die Stallungen derart vermehrt worden, dass 
5000 Tiere darin untergebracht werden können. 
Die Alhbuminfahrik ist durch einen Anbau von 24 m Länve erweitert worden.
	        
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