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Die Wasserversorgung

Full text: Festschrift zur XXXV. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (Public Domain)

Die Wasserversorgung. 
Nach Schluss des Stralauer Werkes und nach Vollendung der zum teil noch 
im Bau begriffenen Neuanlagen wird sich die Wasserversorgung der Stadt Berlin in 
‘olgender Weise gestalten. 
Wie schon im ersten Teile erwähnt, fasst das jetzige Weichbild der Stadt bei 
vollständiger Bebauung rd. 2'/, Millionen Einwohner, deren grösster Wasserbedarf pro 
Tag 250000 cbm beträgt, oder rd. 3 cbm pro Sekunde. Hiervon wird ein Drittel 
westlich der Stadt aus der Havel (Tegeler See), zwei Drittel östlich der Stadt aus 
der Spree (Müggelsee) entnommen. 
Bei beiden Entnahmestellen ist die Einrichtung getroffen, dass das Wasser von 
hnen aus nicht unmittelbar in das Rohrnetz der Stadt gefördert wird, sondern es ist an 
ziner möglichst hoch gelegenen Stelle noch je eine Zwischenstation eingeschaltet. Die 
ıntere, am See gelegene Station besorgt die Entnahme und Reinigung des Wassers und 
schafft es in die Reinwasserbehälter der Zwischenstation; letztere fördert das Wasser 
aus den Behältern in die Stadt. Die untere Station schöpft, reinigt und fördert in jeder 
Zeiteinheit der 24 Tagesstunden annähernd eine gleiche Wassermenge, während die 
Zwischenstation das Wasser je nach dem in der Stadt fortwährend wechselnden Bedarf 
zu verteilen hat. Dieser Bedarf sinkt in der Nacht auf ein Minimum und ereicht sein 
Maximum in den Vormittagstunden. Das Mehrquantum, welches die Entnahmestation 
des nachts über den Bedarf der Stadt hinaus nach der Zwischenstation liefert, wird 
hier in überwölbten Behältern aufgesammelt; aus diesem Vorrat wird der Vormittags- 
bedarf der Stadt, welcher die stündliche Durchschnittsmenge bei weitem übersteigt, 
entnommen. Der Wasserspiegel in diesen Ausgleichbehältern bleibt daher in be- 
ständiger Schwankung: er senkt sich zusehends in den Frühstunden und steigt in den 
Nachtstunden. 
Diese Verteilung der Gesamtaufgabe je eines Werkes auf zwei getrennte 
Stationen bringt in mehrfacher Hinsicht Vorteile mit sich. Dadurch, dass bis zu der 
Zwischenstation, welche, soweit es die Terrainverhältnisse gestatten, möglichst nahe 
dem Versorgungsgebiet angeordnet ist, etwa nur %, der Gesamtförderhöhe zu über- 
winden sind, genügt für den bedeutend grösseren Teil der Rohrleitungen einerseits 
sine geringere Wandstärke, als wenn sie den Druck von dem höchsten Punkte 
des Verteilungsnetzes in der Stadt auszuhalten hätten, andererseits ein geringerer 
Durchmesser, da die Rohrleitungen nur den durchschnittlichen Tagesverbrauch auf- 
zunehmen haben. Aus demselben Grunde können die Fördermaschinen auf der Ent- 
nahmestation entsprechend kleiner gehalten werden. 
Die hier ausgesprochenen Grundsätze sind in der Weise durchgeführt, dass die 
Werke Tegel und Müggelsee als Entnahmestationen, die Werke Charlottenburg 
ınd Lichtenberg als Zwischenstationen eingerichtet sind. 
Die Druckhöhe des von den Maschinen der Zwischenstationen gehobenen 
Wassers genügt nur für den — allerdings überwiegend grösseren — Teil der Stadt, die 
sogenannte Unterstadt, mit rd. 2030000 Einwohnern. Ein kleinerer Stadtteil, die 
sogenannte Hochstadt, hat wegen seiner grösseren Höhenlage ein besonderes, in sich 
geschlossenes Rohrnetz erhalten, um nicht das Wasser für die ganze Stadt überflüssig 
noch heben zu müssen. In dieses Rohrnetz wird das Wasser durch besondere Maschinen 
gehoben. 
Diese Hochstadt liegt im Nordosten des Weichbildes und wird nach völliger Be- 
bauung rd. 470000 Einwohner haben, von denen 270000 auf das Gebiet innerhalh der
	        
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