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Die Wasserversorgung

Full text: Festschrift zur XXXV. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (Public Domain)

)ie Wasserversorgung. 
suchungen zur Gewinnung von reinem Brunnenwasser zwecks Versorgung der Stadt 
Berlin einzusetzen. 
Anschliessend an die obige Entscheidung wurde den Behörden im Juni 1882 ein 
Entwurf für die inzwischen dringend notwendig gewordenen Erweiterungsbauten 
vorgelegt. Die Kommunalbehörden lehnten jedoch die in Vorschlag gebrachten Filter 
dieser Erweiterungsbauten zunächst ab und beschlossen, die Entscheidung über Anlage 
derselben von einem Berichte über die Ergebnisse von Versuchen mit einer Mischung 
von Wasser aus dem See und Tiefbrunnenwasser nach vorheriger kräftiger Durch- 
lüftung des letzteren abhängig zu machen. 
Diese Versuche fanden in der Zeit vom 15. Juni bis zum 13. Oktober 1883 in 
Tegel statt. Die Untersuchungen wurden durch Professor Dr. Finkener ausgeführt 
ınd das Ergebnis in einem Bericht vom 10. Januar 1884 niedergelegt. 
Da nach diesem Berichte durch die Mischung beider Wasser nur eine Minderung 
der Uebelstände nach dem Prozentsatz des zugesetzten, der Filtration bedürftigen 
Secewassers herbeigeführt und die Durchlüftung des Brunnenwassers ohne jeglichen 
erkennbaren Einfluss auf die Beschaffenheit desselben geblieben sein würde, so wurde 
am 3. April 1884 auch die Genehmigung zur Ausführung von Filterbassins für die 
Erweiterungsbauten erteilt. 
Mit der Vollendung dieser Bauten waren die Wasserwerkanlagen im Westen Berlins 
imstande, die Wassermenge, welche aus dem Havelbecken oberhalb Spandau über- 
aaupt entnommen werden durfte, also rd. 86400 cbm in 24 Stunden, zu liefern. 
Die alten Stralauer Anlagen hatten eine Leistungsfähigkeit von etwa 60000 cbm 
in 24 Stunden. 
Die gesamte Leistungsfähigkeit der städtischen Wasserwerke betrug mithin im 
Jahre 1888 146400 cbm in 24 Stunden. 
Da nach den vorliegenden Erfahrungen der Maximalverbrauch pro Kopf und Tag 
rd. 100 1] beträgt, so war mithin für eine Einwohnerzahl von rd. 1460000 genügend 
Wasser vorhanden. Da nun diese Zahl voraussichtlich bereits 1889 erreicht wurde, so 
musste eine Vergrösserung der Werke schleunigst in Angriff genommen werden, welche 
ermöglichte, zusammen mit den vorhandenen Werken die Stadt Berlin hinreichend mit 
Wasser zu versorgen, auch wenn das 5882 ha einnehmende Weichbild derselben voll- 
kommen bebaut und dementsprechend die Einwohnerzahl auf rd. 2‘ Millionen ge- 
stiegen sein würde, 
Hierbei musste darauf Rücksicht genommen werden, dass das Werk am Stralauer 
Thor eingehen könne, da das Wasser des Stromes daselbst infolge der sehr belebten 
Schiffahrt und der grossen Anzahl von Fabriken, welche sich oberhalb des Werkes 
niedergelassen hatten, wesentlich verschmutzt wurde und nur mit grossen Kosten 
zereinigt werden konnte. 
Die Kommission, welche im Jahre 1882 von den städtischen Behörden eingesetzt 
worden war, um Versuche und Untersuchungen zur Gewinnung von reinem Brunnen- 
wasser für die Versorgung von Berlin vorzunehmen, hat am 8. März 1886 ihren Bericht 
arstattet. 
Die früheren Untersuchungen, welche bis zum Jahre 1882 von hervorragenden 
Autoritäten auf allen diese Angelegenheit berührenden Feldern der Wissenschaft an- 
zestellt worden waren, hatten sich fast ausschliesslich auf örtliche Beobachtungen an 
len Tegeler Tiefbrunnen erstreckt. Sie hatten die Ursachen der auffallenden. bisher
	        
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