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Die Wasserversorgung

Full text: Festschrift zur XXXV. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (Public Domain)

Geschichtliches 
La 
von ihm ausgearbeitete Bericht wurde im Juli 1871 dem Handelsminister mit dem 
Antrage überreicht, die Regierung möge der Stadt Berlin das dem Staate vorbehaltene 
Recht des Ankaufs der Wasserwerke cediren. Dieser Antrag erlangte im Dezember 
1872 die Genehmigung der Staatsbehörden. 
Die demnächst angeknüpften Verhandlungen mit der Direktion der Wasserwerke 
hatten das Ergebnis, dass die Waterworks Company der Stadt Berlin die Wasserwerke 
und ihre Rechte am 1. Juli 1873 für die Summe von 12500°% ” = 25'/, Millionen 
Mark verkaufte. 
Nun konnte die Gemeindeverwaltung eine Vergrösserung der Wasserwerke in 
Angriff nehmen, welche die Wasserabgabe in allen bebauten Strassen ermöglichte. 
Der Magistrat beauftragte den Direktor Gill, welcher seit der Begründung der 
Wasserwerke technischer und administrativer Leiter des Unternehmens gewesen und 
nunmehr in den Dienst der Stadt übergetreten war, mit der Aufstellung eines all- 
gemeinen Erweiterungsplanes zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Wasserwerke 
bis zur Versorgung von einer Million Einwohner, 
Gill legte am 20. Mai 1874 einen Entwurf vor, wonach die bestehenden An- 
lagen selbst nicht erweitert werden sollten, weil die Beschaffenheit des von ihnen 
geschöpften Wassers nicht mehr einwandfrei war. Er schlug vielmehr nach dem 
Veitmeyer’schen Entwurf vor, neue Anlagen westlich von Berlin im Sammelbecken 
des Havelstroms zu erbauen, welche, in sich von den alten gänzlich unabhängig, doch 
die Versorgung der Stadt durch ein gemeinsames Rohrsystem zu bewirken hätten. 
Der Entwurf Veitmeyer’s hatte die Minimalergiebigkeit des Havelstromes ober- 
halb Spandau auf 9000 Sekundenliter festgestellt, wovon 1000 Sekundenliter ohne 
Nachteil für die Schiffahrt entnommen werden konnten, 
Da nun 1000 Liter i. d. Sekunde die für die Ergänzung der Anlagen zur Ver- 
sorgung von einer Million Menschen erforderliche Wassermenge war, so waren die An- 
lagen zu deren Gewinnung aus dem Havelbecken und zur Verteilung in der Stadt dem- 
gemäss entworfen. Statt aber das Wasser unmittelbar aus dem Havelstrom, beziehungs- 
weise aus dem Tegeler See, welcher nur eine Ausbuchtung des Stromes ist, zu ent- 
nehmen, sollte es aus Tiefbrunnen am südlichen Ufer des Sees gewonnen werden. 
Die Anlagen sollten aus zwei von einander unabhängigen Werken von je 
500 Sekundenliter Lieferungsfähigkeit bestehen und von diesen das eine sogleich, das 
andere später zur Ausführung gelangen. 
Der Entwurf wurde von den Kommunalbehörden am 13. August 1874 genehmigt 
und die erforderlichen Mittel bewilligt. 
Die Ausführung erfolgte ohne erhebliche Abänderungen des ursprünglichen 
Planes, und die Anlagen wurden am 24. September 1877 dem Betriebe über- 
geben, nachdem bereits am 2. Februar jenes Jahres mit der Versorgung der bisher 
fast gänzlich ohne Wasser gebliebenen Hochstadt der Anfang gemacht und somit 
der Not einer Bevölkerung von mehr als 60000 Personen abgeholfen worden war. 
Die Kosten dieser Erweiterungsanlagen haben, einschliesslich des Landerwerbes., 
13379240 M. betragen. 
Schon vor der Vollendung der neuen Wasserwerkanlage steigerte sich das 
Bedürfnis der Ausdehnung des Bewässerungsgebietes, besonders infolge der regen 
Bauthätigkeit im Norden. Westen und Süden der Stadt, wo neue Stadtteile ent- 
standen. ausserordentlich
	        
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