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Die Wasserversorgung

Full text: Festschrift zur XXXV. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (Public Domain)

Die Wasserversorgung, 
mit Leichtigkeit ihren Wasserbedarf aus dem unerschöpflichen, durch das Meteor- 
wasser sich fortwährend erneuernden Vorrat gewinnen. In der That hatte damais 
{ast ein jedes Haus seinen eigenen Hofbrunnen, und ausserdem bestanden in allen 
Strassen zahlreiche öffentliche Brunnen für den Privatgebrauch und für gemeinnützige 
Zwecke. Da dieses Brunnenwasser im Sommer wie im Winter die Erdtemperatur 
von 10 bis 11° C hat, so galt es als ein gutes Trinkwasser, obgleich die Mehrzahl der 
Brunnen schon damals wegen der fortschreitenden Verunreinigung des durchlässigen 
Untergrundes — die unvermeidliche Folge des gänzlichen Mangels an wasserdichten 
Kanälen zur Beseitigung des Abgangwassers aus den Häusern — ein zwar klares. 
aber dennoch schlechtes Trinkwasser gab. 
Die Mehrzahl der Einwohner glaubte daher auch, der kostspieligen Einrichtungen, 
welche bereits in den grösseren Städten Englands und auch schon in Hamburg zur 
Gewinnung eines besseren Wassers getroffen worden waren, nicht zu bedürfen. Die 
ersten Anregungen zu einer künstlichen Wasserversorgung der Stadt entsprangen 
nicht dem Gefühl des Mangels eines guten Trinkwassers, auch nicht der Erwägung 
des Kulturwertes einer den Haushaltungen in allen Stockwerken, ohne Arbeit und 
Mühe in beliebiger Menge zugänglichen Wassermenge und noch weniger der damals 
zaum erst erörterten Notwendigkeit einer einheitlichen und planmässigen Abführung 
des Unrates aus den Häusern mittels Wasserspülung, sondern hauptsächlich dem 
Ekel an dem Zustande der Rinnsteine, d. i. der flachen, offenen Gräben (Gossen), 
welche sich an den Seiten der Strassendämme hinzogen und sowohl das Regenwasser 
als auch das unreine Wasser der Häuser aufnahmen und, soweit es nicht in den 
Untergrund hineinsickerte, ableiteten. 
Die Frage, wie dieser Zustand der Rinnsteine verbessert werden könnte, erörterte 
m Jahre 1838 Major Bayer in einer Denkschrift, betitelt: „Wie sind die Rinnsteine 
Berlins mit fliessendem Wasser zu versehen?“, worin er vorschlug, das Spreewasser 
lurch Dampfkraft zu heben und in die Rinnsteine zu giessen. 
Es liegt ausserhalb des Rahmens dieser Beschreibung, die Stadien zu schildern, 
welche die hierdurch angeregte Agitation durchschritten hat. Sie sind bereits sehr 
ausführlich in dem Berichte über die Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin während 
der Jahre 1861 bis 1876 (Berlin, in Kommission bei Julius Sittenfeld, 1880) beschrieben. 
[Ihren vorläufigen Abschluss fand die Frage, als im Jahre 1852 seitens der königlichen 
Regierung den englischen Unternehmern Fox & Crampton ein ausschliessliches Recht für 
die Dauer von 25 Jahren erteilt wurde, „Berlin mit fliessendem Wasser zu versorgen‘. 
Zur Durchführung der Anlagen wurde ihnen das Enteignungsrecht eingeräumt. 
Nach den Bedingungen des darüber abgeschlossenen Vertrages hatten die Unter- 
nehmer Wasser zur Spülung der Rinnsteine aus — in Entfernungen von je 75 Metern 
von einander aufzustellenden — Wasserstöcken (Hydranten) zu Tage zu fördern und 
nach dem Ermessen des für die Wasserwerksangelegenheiten ernannten königlichen 
Staatskommissarius zur Verfügung zu stellen, ebenso das Wasser zu Feuerlösch- 
zwecken, und beides unentgeltlich zu liefern. Dagegen waren die Unternehmer 
ermächtigt, der Einwohnerschaft Wasser gegen Entgelt zu liefern, worüber in dem 
Vertrage einige nähere Bestimmungen getroffen worden waren. 
Schon am 28. Oktober 1853 fand die Grundsteinlegung der Berliner Wasserwerke 
auf einem für die Reservoir-, Filter- und Pumpanlagen erworbenen Grundstücke am
	        
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