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XII. Wittwenzeit 1846-1887

Full text: Gabriele von Bülow / Sydow, Anna von (Public Domain)

Erkrankung der Frau von Loẽn. 
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Bald hoffnungsvoll, bald wieder besorgter klingen die Berichte. Die 
Krankheit nahm einen ernsten, den Aerzten unbekannten Charakter an. 
Täglich erwarte‘“ men eine Wendung zum Besseren, aber Tag um Tag 
unverändert ꝛ. denf auf ihrem Lager, regungslos, schlaflos, 
fiebernd, aber unt E vörlsig klarem Bewußtsein, und durch stille 
Heiterkeit und 1I Hafteé “xasse an allem Vorgehenden sich und Andere 
über die Gefer »57 id sccrebte. Briefe, deren Inhalt 
fast hoffnungsl w telegraphische Depeschen überholt, 
die eine gerigge — welche sich dann doch wieder als 
Täuschung erweisti. Dae Tage, Wochen folternder Angst in 
Rom. Vergingen doch auch im besten Falle dreimal vierundzwanzig 
Stunden, ehe man die Antwort auf eine telegraphische Anfrage in 
Händen hielt, da die Verbindung nur bis Siena ging. Wohl trug sich 
Frau v. Bülow mit dem Gedanken sofort abzureisen, und hätte sie 
nur ihrem Herzen zu folgen gehab', sic wäre augenblicklich zurückgeeilt, 
allein die Rücksicht auf die andenn Tehter die Existenz in Berlin 
ohne Wohnung, Potsdam, we Brücken hinter sich abgebrochen 
hatte, die Gefahrenn ein-n 'aë Winterreise und vor Allem die 
peinigende Aussich. acht bi. zehn Tage ohne Nachrichten sein 
zu müssen, jetze 5 ciif dem Höhepunkt zu sein schien, 
ließ sie noch zü ka: zwischen Furcht und Hoffen wird 
noch dadur, ver“ 2. Al. gleichzeitigen Nachrichten aus 
Berlin sich decke. W., — „wirgersohn seinem Schmerz offen 
Ausdruck gieb“ suhen Hedemelu« i. dem wohlmeinenden Bestreben, 
dem armen My A elnea ersparen, den Krank— 
heitszustand v u, Lur ustellen; Briefe von 
Fernerstehendenne r unve nl. ihre Angst und ihr 
Mitleid. Hunde qualvollen Möglichkeiten erwogen: 
Bleiben, währen. Ekrn und Sehnen heimwärts gerichtet war, 
Reisen in dieser Nodesangst ohne Nachrichten, um vielleicht mit dem 
gzrausamen „Zu *“ empfangen zu werden, im besten Falle: Ankommen 
und die Krank. aicht sehen dürfen, um sie nicht auf das Höchste zu 
erschrecken und aufzuregen. Wahrlich. es konnte keine schmerzlichere 
Lage geben! 
Inzwischen blieben sich die krankhaften Erscheinungen immer gleich, 
iber die Kräfte sanken mehr und mehr. Am 3. Februar aglaubte die
	        
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