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XI. Bülows letzte Jahre im Staatsdienst 1841-1845, Krankheit und Tod 1846

Full text: Gabriele von Bülow / Sydow, Anna von (Public Domain)

Bülows in Frankfurt. 
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finden und trotz solches Wehs sich doch so empfänglich zu fühlen für 
alles Schöͤne. Dod 6 7— 3 ja ein großes Glück. — Liebste 
Adelheid, ich schreis ,, was ich freilich selbst nur fühlen 
und nicht klar denken kaur, An. Ca ußt vorlieb nehmen mit diesem 
etwas wirren BVrief. Dodß hat er mir zut gethan, es ist mit etwas Schrift 
doch eine gewisse Grundlage gelegt. Figentlich kann ich aber« gar nicht 
mehr schreiben, so wenig that ich's d.. letzten Monate.“ 
Das Leben in Frankfurt gestalt.‘ 55 zu einem außerordentlich an— 
genehmen. Bülow sagte seine St ing sehr zu, und es wäre wohl für 
ihn ein großes Glück gewesen, wenn er diesen Ruheposten hätte 
einige Jahre hindurch behalten können. Allein eine so bedeutende 
Persönlichkeit, die den Anforderungen der höchsten Stellung gewachsen war, 
konnte man nicht lange ruhen lassen, und als der Minister Graf Maltzahn, 
völlig erschöpft an geistigen Kräften, sein Amt niederlegen mußte, berief 
der König Bülow zum Minister des Auswärtigen. So mußten denn 
Bülows, die eben anfingen, in dem entzückenden Haus in der Mainzer 
Straße sich recht heimisch zu fühlen, und mit Freuden der schönen Jahres— 
zeit, die noch alle Reize Frankfurts zu erhöhen versprach, entgegensahen, 
abermals an den Aufbruch, an eine neue und veränderte Existenz denken. 
Bülow selbst ging sofort, noch im März 82, nach Berlin, wo ihm 
viele Beweise königlicher Gnade zu Theil wirden. Nicht ebenso rasch 
wie ihr Mann konnte Frau v. Bülow von Frankfurt aufbrechen; zu— 
nächst erhielt sie den Besuch ihrer Schwester, mit der sie dann eine 
Rheinreise machte, hauptsächlich um den Kindern auch diesen Genuß zu 
gewähren. Erst im Mai ging sie dann über Erfurt nach Berlin, bei 
welcher Reise von Halle aus die Eisenbahn benutzt wurde, nachdem durch 
persönliche Empfehlung und den Besuch dcs „Eisenbahnprotektors“ eine 
relative Sicherheit bei diesem „Wagniß“ zcboten schien! 
In Berlin begann nun wieder von Neuem das Einrichten in dem 
Ministerium des Auswärtigen, Wilhelmstraße Nr. 76, und die Vor— 
bereitungen zur Hochzeit des jungen Paares, die, nun sich die Dinge so 
gestaltet, in Tegel anstatt in Burg-Oerner gefeiert werden sollte. Ueber 
das bräutliche Glück der Tochter schreibt Frau v. Bülow noch aus 
Frankfurt ihrer Schwester: 
„... Du glaubst aber kaum, welch ein ganz wunderbares Gefühl 
das ist, solch ein ganz selbständiges Leben iich fortbilden zu sehen in
	        
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