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VIII. Gabrielens Besuch in Deutschland 1833-1835

Full text: Gabriele von Bülow / Sydow, Anna von (Public Domain)

346 VIII. Gabrielens Besuch in Deutschland 1833-1885. 
Ich fühle gewiß und weiß, daß Du lieber glety kämest, aber die Gründe 
des Aufschubs sine ir jeder Rücksicht verꝛ:“ Ich bin in meinen 
Projekten, nach Berlin ꝛu kommen 5 ua sehr erschüttert worden, 
da nicht nur Nicolovius in Ruste Namen und Caroline mir ernstlich 
dagegen schreiben, sondern mir auch, ehe ich diese Briefe bekam, heute, 
wo ich des Wetters wegen oben spazieren ging, plötzlich vor dem Spiegel., 
in dem ich mein Gesicht selten jetzt sehe, mit Lachen einfiel, daß es doch 
zin sonderbarer Gedanke sei, einen se krnrenen Gang und ein so wunder⸗ 
bares Gesicht ohne alle Noth vor Nersonen zur Schau zu 
stellen. Ich will nun sehen, wie —DIc. Auf alle Fälle aber 
denke ich, noch einmal vor dem Gebur“‘“ dar lichen, theuren Mutter 
Fuch in Berlin zu sehen. D, umarme 5und die lieben Kinder 
herzlich. Tausend Grüße an Hedemanns und Caroline, bei der Du 
wohl entschuldigst, daß ich ihr heute nicht schreibe. 
Mit der innigsten Liebe 
Dein H.“ 
Während der Wintermonate hatten die körperlichen Kräfte Wilhelm 
o. Humboldts noch bedeutend abgenommen, und Niemand, der ihn sah, 
konnte sich dem Eindruck verschließen, daß der helle siegende Geist sich 
anschickte, die gebrechliche, irdische Hülle zu verlassen. Von solchen Ge— 
fühlen getrieben, zog Gabriele schon Ende Februar mit den Kindern 
nach Tegel. Kaum einen Monat aber konnte man sich des Zusammen— 
seins dort erfreuen. Humboldts Jäger erkrankte am Scharlachfieber 
und zwar so heftig, daß ein Fortschaffen aus dem Hause unmöglich 
war. Gabriele mußte also mit ihren Kindern die Flucht ergreifen 
und in Berlin bei Hedemanns und Caroline ein sehr beschränktes Unter— 
kommen suchen. Humboldt, selbst sehr schwach und die Dienste des treuen 
Jägers schmerzlich entbehrend, wollte und konnte sich auch jetzt nicht 
von Tegel trennen und so zog sein Sohn Hermann zu ihm. Es waren 
Tage peinlichster Chanrrung, die Gabriele da durchzumachen hatte, theils 
in der Besorgniß daß ihre Kinde dschon die Ansteckung davon— 
getragen haben monhte. theilee 63Gefühl, gerade in 
diefer Fei da att nich: 27 onnen. Alle diese 
Sorgen und Bedenken aber Ereigniß, das sich 
nun vorbereitete. Wilhelmew Habold. erkrankte an einem heftigen 
Erkältungsfieber, das er sich am 26. März, dem Todestage seiner Frau
	        
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