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Full text: Was ich erlebte / Haase, Friedrich (Public Domain)

mittelmässigen Ensemble unterzuordnen und zwar stets als 
Werkzeug des Dichters, und seine stärkeren Darstellungsquali- 
täten herabzustimmen, auf dass er durch die Potenz seines 
Könnens nicht auffälliger würde, als die Uebrigen!“ 
Sic! Das heisst also: dem seltenen, absonderlichen Talente, 
welches sich hervorragend kennzeichnet, den Wirbelknochen 
ausdrehen, damit es in dem Gehudel der nie alle werdenden 
Unbedeutendheit verschwinde — un“ „zum Werkzeuge des 
Dichters“ werde! — 
„Ist das schon Thorheit, — hat es doch Methode!“ Und 
an der Bescheidenheit des Ausspruches wäre ja wohl auch 
nichts zu mäkeln! — Wer kommt aber dabei zu kurz und — 
wer gewinnt dabei? 
Als „College Crampton“ in Berlin von der Bühne herab 
seine Karte abgab, las ich iu fast jeder Zeitung nur von 
der Vorzüglichkeit der Darstellung des Herrn Engels als 
„Crampton“. „Haben Sie Engels als ‚Crampton‘ gesehen?“ 
Ueber das Stück als solches hörte ich — merkwürdig genug — 
ungleich weniger parliren. Ein Beweis, dass der Schauspieler 
Engels nach dem Prinzip der Kritik „virtuos“ gewesen sein 
muss, Allein das verschlägt wahrscheinlich nichts, weil es 
hier einem Werke der modernen Richtung in der Litteratur 
zugute kam und die „Virtuosität“ dabei nutzbringend wurde! — 
Zu derselben Zeit las man auch Controversen über die 
Darstellung des Orest durch die Herren Matkowsky und Kainz. 
Der Kritik nach müssen Beide durch ihre Darstellungen einzig 
und allein in den Vorstellungen der „Iphigenie“, sowohl im 
Königlichen Schauspielhause wie auch im Deutschen Theater 
das ausschliessliche Interesse der Zuhörer in Anspruch ge- 
nommen haben, demnach also ebenfalls — ohne Herab- 
stimmung ihrer Talente „virtuos“ gewesen sein, was jedoch 
keinerlei Anstoss erregte! — 
Nicht selten bekam ich auch zu hören, dass „das leidige 
Virtuosenthum“ lediglich in den Dienst der Reclame getreten 
sei! — Nun, dann bin ich zum Beispiel kein Virtuos gewesen,
	        
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