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Full text: Was ich erlebte / Haase, Friedrich (Public Domain)

Nach Lübeck, guter Lampe, werden Sie doch nicht gehen 
wollen ohne Hamburg einen Besuch abzustatten, das gegen- 
wärtig nur 2 Eisenbahnstunden entfernt liegt. Oder ich müsste 
Ihr dortiges Gastspiel im Voraus als ein verfehltes bezeichnen. 
Lübeck, das merken Sie sich, ist Hamburg’s Schwesterstadt, 
und darinnen sitzt Ihr alter Freund, und der Champagner 
schmeckt an der Elbe nicht schlechter als an der Trave. Ich 
rechne daher bestimmt auf eine Begegnung. Der Winter 
ist so gesellig anspruchsvoll, dass ich mich gar sehr aus 
Jen lackirten Stiefeln heraus, nach einer wirklichen Gesell- 
schaft sehne. 
Wir wissen hier einmal nichts Besseres, als grosse Aus- 
stellung wohlhabender Mittel. Selten, dass man einmal eine 
Frau zur Nachbarin erhält, mit der sich zu lasterhaften 
Trüffeln nach Tisch plaudern lässt. Die Männer vollends — 
aber was nützt das Klagen? Kurz, eine Portion Lampe wäre 
ain willkommenes Besuchs-Gericht in Belvedere! 
Davor aber, dass ich mir Ihre künstlerischen Sorgen zu 
Herzen nehme, machen Sie nur ja kein Aufhebens. Sind wir 
denn so gering, dass wir darüber erstaunen müssen, wenn 
Einer ausgleitet und der Andere unterstützt ihn dabei, dass er 
wieder auf seine Beine kommt? Nein, was ich kunst- 
kameradschaftlich zu meinem Kirchspiel zähle, und wer sich 
mir menschlich behaglich genähert hat, der kriegt mich für immer 
an den Hals! 
Welch eine lange Zuschrift haben Sie mir da wieder 
gestohlen! Erwidern Sie dieselbe durch ein breites, lustiges 
Schreiben, dass mein Gewissen sich beruhige! Erschliessen 
Sie mir mit geübter Rückhaltlosigkeit Ihr kindliches Gemüth 
Gott nehme Sie in Schutz, bis ich’s wieder in Person thun kann. 
Adieu,. Zeit-Dieb! 
Robert Heller.“ 
Nach Empfang dieses „breiten“ Schreibens war ich in der 
zlücklichen Lage, ihm eine mich sehr erfreuende Mittheilung 
zu machen, die mir zur Antwort brachte:
	        
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