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Full text: Was ich erlebte / Haase, Friedrich (Public Domain)

Barnay mit einem beträchtlichen Geldopfer aus der Societät, 
um so mehr, als auch meine Gesundheit durch die vielfachen 
Erregungen stark gelitten hatte. 
Kurios bleibt dabei der Umstand, dass der von uns zum 
technischen Director gewählte Societär, Herr A. L’Arronge, an 
meinen durch Krankheit absolut bedingten Austritt nicht 
glauben wollte: Die Zeugnisse erster Berliner Aerzte, so 
namentlich diejenigen des Geheimraths Professor Dr. Frentzel, 
nicht für ausreichend erachtete und mir schliesslich — horribile 
dietu — einen damals bekannten, jetzt verstorbenen „Irren- 
arzt‘, Geheimrath Dr. Westphal, in’s Haus sandte und von 
demselben noch ein „allerletztes Zeugniss“ verlangte. Dieser 
„Irrenarzt“ erklärte mich jedoch für völlig „hell“ und bestätigte 
zum Erstaunen des restirenden Triumvirates der Societät 
ächelnd das Zeugniss der allgemein bekannten und berühmten 
Aerzte. 
Ja, „such is life“ sagt man ja wohl in England! 
Als Geheimrath Dr. Westphal mein Zimmer verlassen 
hatte, musste ich unwillkürlich Rückschau halten in der so 
’ 
peinlichen Sache, und hell in meiner Seele strahlte die 
Schiller’sche Sentenz: 
„Nicht was lebendig kraftvoll sich verkündigt, 
Ist das gefährlich Furchtbare. — 
Das ganz Gemeine ist’s, das ewig Gestrige, 
Was immer warnend wiederkehrt!“ — — 
Liebe — Hass — Eigennutz — Speculation —- Klugheit und 
Thorheit — alles das stiess sich im engsten Raum. Wo blieb 
Barnay, die Ziegler, die Haverland, Haase?! „Wo sind sie 
Heinz, wo sind sie?!“ — - - — „Ueber allen Wipfeln ist 
Ruh‘! —- 
Die letzten freundlichen Worte über mich persönlich 
wurden ja wohl von dem Herrn _ Arronge gegen mich 
gerichtet in seinem stark nach Weihrauch duftenden Werke, 
das mit seinem Titel wenig oder gar nichts zu schaffen 
hat, sondern gemeinhin ‚„Eigenlob meiner Direction des 
’ 8 „EI8 
Deutschen Theaters in Berlin“ hätte bezeichnet werden müssen.
	        
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