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Full text: Dr. Heinrich von Stephan / Stephan, Heinrich von (Public Domain)

n dem leider so früh durch eine tückische Krankheit dahin— 
gerafften Generalpostmeister Dr. H. von Stephan hat die 
deutsche waidgerechte Jägerei einen ihrer begeistersten und 
treuesten Auhänger verloren. Unser Hoffen, daß das edle 
Waidwerk ihn in seinem schweren, verantwortungsreichen 
Amte noch lange körperlich rüstig und geistig frisch erhalten 
möge, unser Wunsch, daß es ihm vergönnt sein möge, noch 
viele, viele Jahre mit der Büchse in der Hand, von der 
Bürde und den Lasten seines hohen Amtes Erholung 
suchend, Leib und Seele in der Ausübung des edlen Waid— 
werkes 4 erquicken, hat nach Gottes unerforschlichem Ratschluß nicht in Erfüllung gehen 
sollen. Schon am 8. April d. Is. wurde er nach heldenmütig ertragenen Leiden aus unserer 
Mitte abberufen und am 11. April erwiesen ihm Kaiser und Reich unter Teilnahme 
der ganzen gebildeten Welt die letzten Ehren. Es kann nicht Aufgabe dieser Blätter 
sein, die hohen Verdienste des Tahingeschiedenen auf dem ihm unterstellt gewesenen 
Verkehrsgebiete zu schildern. Wir setzen vielmehr diese Dinge als bekannt voraus 
Vor zwei Jahren mußten wir in Befolgung der von dem Dahingeschiedenen hoch 
gehaltenen Birschregel: „Ein vorsichtiger Jäger muß seine Fährten vertreten“, darauf ver 
zichten, die Jagdzüge des Generalpostmeisters und die auf denselben erbeuteten Trophäen dem 
Leser in Wort und Bild vorzuführen. Was wir damals nur andeutungsweise sagten — „üÜberall, 
in Nord und Süd, in Osten und Westen, im Jagdschloß des Fürsten und im bescheidenen Wald— 
hause des einfachen Försters war er gern als Jagdgast gesehen, und es dürfte wohl keine, 
auch noch so seltene Wildart geben, welche von ihm nicht in waidgerechter Jagdweise erlegt 
wäre“ —, das wollen wir heute an der Hand eines außerordentlich inhaltreichen handschriftlichen 
Urkundenmaterials näher begründen. Die Worte Dryanders, welche er seiner tiefempfundenen 
Trauerrede zu Grunde legte: „Er war ein getreuer Haushalter“, sie müßten auch über den 
jagdhandschriftlichen Nachlaß Stephans gesetzt werden. Ein generelles Schußbuch giebt zunächst 
eine Übersicht über das von ihm in den Jahren 1879 bis Ende 1882 erlegte Hoch- und Nieder— 
wild und ist dann vom Jahre 1883 bis Ende 1896 dem vorgedruckten Schema gemäß treu 
und gewissenhaft ausgefüllt worden. Diese generellen Tabellen ergänzen in sieben dicken 
Quartheften nähere Angaben. Kann der Dahingeschiedene auch jedem waidgerechten deutschen 
Jäger als ein Vorbild gewissenhafter, bei uns noch lange nicht genug gewürdigter jagdlichen 
Buchführung hingestellt werden, so würden die Tabellen, welche wir dem Leser zu geben ge— 
denken, uns doch kaum bewegen, mit diesen Zeilen vor die Offentlichkeit zu treten, wir 
hätten dieselben nur im engeren Freundeskreise mitgeteilt, aber der Geist, in dem dieses 
jagdliche Tagebuch geschrieben ist, giebt uns nicht nur den Mut, vor das große 
Publikum zu treten, sondern macht es uns geradezu zur Pflicht. Nicht nur, was er auf 
der Jagd geschossen, sondern auch das, was er auf der Jagd, draußen in der freien Gottes
	        
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