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IX. Kapitel. (1867-70). Veränderungen im künstlerischen und gesellschaftlichen Leben Berlins

Full text: Dreißig Jahre Künstlerleben / Ehrlich, Heinrich (Public Domain)

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bei Tisch die allerlustigsten Wiener Schnadahüpfeln mit dem 
Schlußwort „Hoido!“ aun“mte, und einige Herren und 
Damen zum Mitsingen aufforderte. Trotz dieser, allen ge— 
jellschaftlichen Gewohnheiten Berlins vollständig wider— 
iprechenden Eigenschaften war Frau Eckert in vielen gebildeten 
Kreisen gern gesehen, empfing vornehme Gesellschaft in ihrem 
Hause und ward von sehr vielen fremden Künstlern eifrig 
hofiert, weil sie durch ihre Verbindungen nützen konnte. Aber 
auch große berühmte Musiker, die durchaus keiner Protektion 
bedurften, bewegten sich gern in ihrem Hause; so oft Rubin— 
stein nach Berlin kam, eilte er Kathi Eckert zu besuchen. 
Prüfte man nun die Grundlagen der in ihrer Art einzigen 
gesellschaftlichen Stellung, welche diese Frau in Berlin er— 
rang, so fand man in erster Reihe, daß sie durch ihre 
bei jeder Gelegenheit zur Schau getragene Verehrung für 
Wagner, für seine Werke, Person und Thaten sich die 
Gunst der mächtigen Frau v. Schleinitz, der ja Eckert seine 
Berufung verdankte, in vollem Maße sicherte. An die 
Künstlerfrau, die Frau v. Schleinitz begünstigte, deren Haus 
sie besuchte, drängten sich auch viele Damen der Finanzwelt 
heran, um doch auch in den nobeln Dunstkreis zu gelangen“), 
ebenso ließen sich viele Künstler bereitf finden, ihr Talent 
im Salon Eckert zu zeigen. Aber die Stellung zur Wagner— 
partei hätte für sich allein nicht hingereicht Kathi Eckert 
solche Beliebtheit zu gewinnen, denn auch hochstehende 
und reiche Bamilien, die den Wagner-Enthusiasmus nicht 
sc war für mich höchst unterhaltend zu beobachten, wie manche 
Bankic ersfrauen im Anfange ihrer Beziehungen zu den 
Eckeri⸗ œgner⸗Enthusiasmus förmlich prunkten und wie sie, 
als Kaln Gacel sir doch nicht zu ihren noblen Abendgesellschaften lud, 
erzkonservativ-⸗musikalisch wurden und nunmehr für Joachim und seine 
Richtung schwärmten. „O komische Leute, o närrische Welt!“
	        
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