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VIII. Kapitel. (1865-1866). Meine Thätigkeit an der Neuen Berliner Musikzeitung

Full text: Dreißig Jahre Künstlerleben / Ehrlich, Heinrich (Public Domain)

Ideale erblickte, hegte er doch die größte Achtung vor jeder 
hohen künstlerischen Leistung, selbst wenn sie eine ganz andere 
Richtung vertrat oder wenn seine persönlichen Beziehungen 
zu dem Künstler nicht in harmonischem Einklange standen. 
So z. B. bildete er in seiner immerwährenden entschiedenen 
Thätigkeit für Liszt und Wagner einen Gegensatz zu 
Joachim, der sich bekanntlich von der neudeutschen Schule 
ganz losgesagt hat, aber ich habe aus Tausigs Munde 
den Ausspruch über Joachim vernommen: „Was der aus 
einer Beethovenschen Komposition herausholt, das bringt kein 
anderer zu Tage.“ Und für Brahms bekundete er bei jeder 
Gelegenheit hohe Bewunderung, obwohl dieser von Richard 
Wagner und dessen Partei am stärksten angefeindet ward. 
Während er seiner Kunst mit dem strengsten Ernste 
diente, war er zugleich unablässig bemüht seinen Geist zu 
bilden, seine Kenntnisse zu erweitern. Philosophie und Natur— 
wissenschaften übten besondere Anziehungskraft auf ihn, diesen 
weihte er die meisten freien Stunden, schöngeistiges Schrift— 
tum ließ er fast unbeachtet. In früheren Jahren Anhänger 
der Schopenhauerschen Grundsätze neigte er sich später der 
Kantschen Ethik zu, die ihn milder stimmte. Heiteren 
Zerstreuungen blieb er meistens ganz fern, lebte ganz 
zurückgezogen im engen Kreise einiger Freunde und aristo— 
kratischer Verehrerinnen. Seine Beziehungen zu mir hatten 
einen ganz sonderbaren Verlauf, — sie begannen mit 
einiger Abneigung auf beiden Seiten und endigten mit 
warmer Freundschaft.“) Seine trotzig schroffe Haltung gegen 
jeden, der ihm nicht als unbedingter Anhänger Liszts und 
Wagners bekannt war, konnte mir nicht anstehen, außerdem 
mußte ihn der Umstand, daß der Verkehr zwischen Bülow und 
Wie bei Ehlert! Das wird später dargelegt werden.
	        
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