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VI. Kapitel. (1863-65). Liszts Rhapsodie Hongroise Nr. 2 und deren Entstehung. Liszt als Künstler und Mensch

Full text: Dreißig Jahre Künstlerleben / Ehrlich, Heinrich (Public Domain)

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in deutscher Sprache mit dem wärmsten Lobe des Artikels 
und der Einladung ihn zu besuchen. Als ich dann nach 
Bayreuth zur ersten Aufführung des „Ring der Nibelungen“ 
ging, blieb J vor- und nachher mit meiner seligen Frau 
und deren Muatter einige Wochen in dem Badeorte Berka, 
von wo au« man damals mit der Post in fünf Viertelstunden 
Weimar errcicht. fuhr oft nach Ilm-Athen, um dem 
greisen Künstler meine Huldigung darzubringen. Und von 
jener Zeit bis kurze Zeit vor seinem Tode, da wieder durch 
meine Haltung gegenüber „Parsifal“ eine Erkühlung eintrat, 
entfaltete Liszt mir gegenüber den ganzen Zauber seiner un— 
widerstehlichen aus wahrhaft gutem Herzen kommenden 
Liebenswürdigkeit. Von dieser, wie von seinen blitzartig 
leuchtenden, genial-geistreichen Einfällen mögen hier zwei Bei— 
spiele angeführt sen. Mein Tlige Frau hegte Scheu vor 
neuen Bekanntschaften, besonders mit großen Künstlern — 
mit Künstlerinnen verkehrte sie gern — und Liszt stellte sie 
sich als eine ihr ganz unbegreifliche, unnahbare Größe vor, 
wollte durchaus nicht mit mir zu ihm gehen. Endlich, 
nachdem er mich zu öfteren Malen nach ihr gefragt hatte, 
drang ich darauf, daß sie mich begleite. Mit Zittern und 
Zagen kam sie, entzückt, begeistert gin- sie und schwärmte 
tagelang von dem herrlicher Mans Mit dem ersten 
Blicke hatte er ihr Wesen erkann empfing sie mit 
einfachen, herzlichen Worten, setzte sich neben sie auf das 
Sofa und begann gleich von mir zu sprechen, wie er mich 
seit meinem sechzehnten Jahre kenne und meine Laufbahn 
immer mit Interesse verfolge und was ich alles Tüchtiges 
geleistet hätte u.“ . Da. Gesicht meiner guten Frau 
verklärte sich, ich saß staunend da und dachte: „Das kann 
Keiner!“ Aber noch in anderer Richtung zeigte er, was kein 
anderer konnte. Ich hatte mein Konzertstück in ungarischer
	        
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