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12. Kritische Tage

Full text: Das Leben Max Dunckers / Haym, Rudolf (Public Domain)

Bismarcks Erfolg in Kurhessen. 
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dieses ebenso gut Ausland wie Frankreich; man werde sich durch 
keine Sentimentalität abhalten lassen, die Interessen Preußens 
gegen Oesterreich nöthigenfalls und nach Lage der Umstände auch 
mittelst eines offenen Krieges zu verfolgen. Die Bitte aber, welche 
Duncker dem Kronprinzen zu übermitteln hatte, ging dahin, daß 
derselbe bei seinem Besuche in Wien, wenn Wien doch besucht 
werden solle, jedenfalls sein für die ganze Reise angenommenes 
Incognito wahren und nicht in der Hofburg wohnen möge, da 
man voraussichtlich in Wien Alles daran setzen werde, die An— 
wesenheit des Kronprinzen politisch auszubeuten. 
Wie gern übernahm Duncker einen derartigen Auftrag! Der 
neue Minister des Auswärtigen hatte überdies an einer anderen 
Stelle bereits gezeigt, daß er zuzugreifen und geschickt zuzugreifen 
verstehe. Als der Kurfürst von Hessen von Neuem mit seinen 
Ständen zu hadern anfing, indem er deren Rechtsbeständigkeit be— 
stritt, als er darauf den dagegen protestirenden Landtag vertagte, 
sein Ministerium wieder entließ, da hatte Herr von Bismarck am 
24. November dem Kurfürsten in sehr kategorischer Weise Zwangs— 
maßregeln angekündigt und hatte ihn durch die Drohung einer 
Verständigung mit seinen Agnaten dergestalt in die Enge getrieben, 
daß der Kurfürst sich unverweilt fügte, Stände und Ministerium 
wieder berief und sich verfassungsmäßig zu regieren bequemte. 
Hier also hatte Preußen endlich nun einen Erfolg statt der früheren 
Schlappen oder halben Erfolge davongetragen. Duncker aber 
glaubte zu wissen — so schreibt er in dem Berichte, den er am 
15. December dem Kronprinzen kurz vor dessen Heimkehr entgegen— 
sandte —, daß das rasche Nachgeben des Kurfürsten auf die ihm 
durch einen einfachen Feldjäger überbrachte Note nicht bloß gegen 
Bismarcks Erwarten, sondern auch gegen dessen Wunsch gewesen sei. 
Sowohl der eben erwähnte Bericht, der bereits wieder in 
Berlin, wie ein früherer vom 25. November, der in Halle ge— 
schrieben wurde, — beide lassen deutlich erkennen, daß der Bericht 
erstatter trotz des im Innern eingetretenen schweren Conflicts nichts 
weniger als schwarz sah. Zu bestimmt hatte er die von der alt— 
liberalen Partei begangenen Fehler erkannt, zu scharf stand er von 
Anfang an im Gegensatz zu der Fortschrittspartei, als daß er das 
leidenschaftliche Pathos, mit welchem nach der letzten Katastrophe
	        
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