Vor und nach den Wahlen vom 6. December 1861. 255
danke der Versöhnung der Parteien und Stände und ihrer Er—
ziehung zum Verfassungsleben ditr. das Königthum, der diesem
verwegenen Rath zu Grunde lag. Es schien eine letzte Möglich—
keit der Erhaltung des liberalen Ministeriums darzubieten. Zum
Behufe jener Erziehung und kraft der höchsten Aufgabe des Staates,
so schließt die Denkschrift, „kann Sce. Majestät, wenn das gegen—
wärtige Mitisterium an der Spitze bleib“ und damit die Bürg—
schaft für die liberale Richtung gewährt einer wiederholten
Kammerauflösung mit Ruhe entgegensehen. Ein Wechsel des
Ministeriums würde die Dictatur unberechtigt erscheinen lassen,
und conservative Minister würden Preußen, nach einem vergeb—
lichen Ansatz mehr, unter die Herrschaft des Bundestages zurück
führen.“
Die Wahlen pomt ea nun alle Hoffnungen
der demokratisheu ste Erschütterung,
welche das * erfahren hatte.
Duncker? Lluf Er ließ es sich in
der Presse aut AAlcn Partei zu wieder—
holen, daß sie stat“ bann . der Fortschrittspartei
das liberale System in ; Preußen arzen, durch Annahme der
Militärreform sich entschlossen als gouvernementale Partei zu be—
nehmen habe, und so, trotz Allem, dem Ministerium die weitere Füh—
rung der Geschäfte möglich machen, ihm eben damit zugleich sehr
bestimmte Verpflichtungen auferlegen müsse.
Er wandte sich ebenso nach der anderen Seite. War es nicht
möglich, auf den höchsten Willen einzuwirken und den König wieder
fester mit dem von ihm selbst gewählten System und den selbst—
gewählten Räthen zu verbinden. Auf den Wunsch des Kronprinzen
schrieb Duncker wenige Tage nach den Wahlen eine durchaus auf
den König berechnete Auseinandersetzung. Es könne scheinen, als
ob die Früchte des Systemwechsels vom Herbst 1858 keine wohl—
thätigen gewesen; allein wie viel übler würde die Lage Preußens
sein, wenn das Ministerium Manteuffel am Ruder geblieben wäre!
Und nun folgt eine Apologie der liberalen Minister. An ihrem
loyalen Willen, die Krone zu decken und deren Autorität aufrecht
zu erhalten, könne kein Zweifel bestehen. Willig, und zwar unter
den erschwerendsten Umständen, mit Selbstverleuanung hätten sie