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8. Unter dem Druck der Reaction

Full text: Das Leben Max Dunckers / Haym, Rudolf (Public Domain)

Reue Zeitungsprojecte. 
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ins Auge gefaßt, und Duncker, der auch diese Verhandlungen 
führte, trat dem Gedanken, sich selbst als Redacteur in Aussicht 
zu stellen, immer näher. Schon Ende 1855 indeß mußte der 
ganze Plan als gescheitert angesehen werden. Die Verleger, auf 
die man geglaubt hatte rechnen zu dürfen, zogen sich zurück, und 
auch die Betheiligung für die Herbeischaffung der nöthigen Geld— 
mittel war innerhalb der eigenen, einem Zusammengehen mit den 
Bethmann-Hollwegianern zum Theil abgeneigten Partei ziemlich 
lau. Kein Wunder; war es doch vorauszusehen, daß alle Opfer 
vergeblich gebracht sein würden. Der weitere Fortschritt, den die 
reactionäre Partei inzwischen in Preußen gemacht hatte, mußte 
die polizeilichen Schwierigkeiten als unüberwindlich erscheinen 
lassen. Vielleicht daß es den Herren vom Preußischen Wochenblatt 
gelänge, von sich aus ein den englischen Interessen zugewandtes 
größeres Organ, den russenfreundlichen gegenüber, in Berlin, Gotha 
oder Frankfurt zu gründen, das sie durch ihren diplomatischen 
Einfluß schützen üönnten: die liberal-nationale Partei — so war 
Dunckers Rat“ — werde am besten thun, sich auf die Gründung 
einer Revue zu beschränken, um in dieser die angesehensten Namen, 
das Gewicht der wissenschaftlichen Intelligenz, den Doctrinen der 
Kreuzzeitung entgegenzustellen. Von den verschiedensten Seiten 
war der Gedanke hieran aufgetaucht, und hiezu konnten die eigenen 
Mittel als ausreichend erscheinen. Noch zwei Jahre nichtsdesto— 
weniger vergingen, ehe der Gedanke in der Gründung der „Vreußi— 
schen Jahrbücher“ seine Verwirklichung fand. — 
Trotzdem nun aber, daß solchergestalt die politischen Inter— 
essen unseren Freund so vielfach in Anspruch nahmen, hatte der— 
selbe doch seine meiste Zeit und seine beste Kraft an die Fort— 
führung seiner großen wissenschaftlichen Arbeit gesetzt. Im Herbst 
1853 erschien der Zweite Band seiner Geschichte des Alterthums. 
Schon hatte er sich mit entschlossener Arbeitskraft an den Dritten 
Band gemacht, den er bis Anfang 1855 fertig zu stellen hoffte. 
Erst im Juni 1856 jedoch erreichte er dies Ziel; denn der Erfolg 
der ersten Bände hatte ihn zum Sklaven seiner eigenen Arbeit 
gemacht; er hatte zwischendurch eine neue Auflage der ersten beiden 
Bände besorgen müssen — eine Aufgabe, die ihn seit der Mitte 
des Jahres 1854 bis in den Herbst 1855 fesselte.
	        
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