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8. Unter dem Druck der Reaction

Full text: Das Leben Max Dunckers / Haym, Rudolf (Public Domain)

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Unter dem Druck der Reaction. 
werthen Schritt gethan. In eigenem Auftrage hatte er sich nach 
Paris begeben, um Frenkreich von dem falschen Wege, durch 
Drohung auf Preußen zu wirken, abzubringen und ihm die Vor— 
theile des anderen, eines entgegenkommenden Einvernehmens zu 
zeigen. Es war ihm, wie wir jetzt aus seiner eigenen Erzählung 
wissen, bei aller Entschiedenheit, mit der er seinen deutschen Stand— 
punkt betonte, gelungen, zu dem Kaiser in ein Verhältniß zu kom— 
men, das ihn auch für etwa weiter eintretende Ereignisse in den 
Stand setzen mochte, nach beiden Seiten hin den vertrauens— 
würdigen Vermittler abzugeben. Die Nachrichten aus dem dem 
Herzog unmittelbar nahestehenden Lager lauteten günstig. Frank— 
reich und England seien bereit, Preußen sehr annehmbare Be— 
dingungen bezüglich einer Verbesserung seiner politischen Stellung 
in Deutschland zu bewilligen, und Preußen stehe also vor der 
Wahl, auf diese Aussicht hin mit jenen gegen Rußland vorzugehen 
oder sich für Rußland gegen die Westmächte zu erklären, bei welcher 
letzteren Entscheiduing dann Krieg gegen Frankreich, Blokade der 
Ostseehäfen, eine Erneuerung des Rheinbundes, vielleicht die Be— 
gründung einer übermächtigen Stellung Oesterreichs auf den Trüm— 
mern der preußischen Monarchie in Aussicht stehe. Es gab bis 
Anfang 1854 in Berlin Momente, in denen die schwankende Stim— 
mung des Kabinets sich für den Anschluß an die Westmächte ent— 
scheiden zu wollen schien Was man im liberalen Lager kaum zu 
hoffen gewagt hatte — eine neue Chance für die Lösung der 
deutschen Frage, die Wiederaufnahme der Unionspolitik, die Be— 
seitigung des Ministeriums Manteuffel, schien sich, dank der 
Dienste, die die große Politik leistete — nur fünf Jahre nach 
1848, nur drei Jahre nach Olmütz — darzubieten! 
Da galt es, das Eisen zu schmieden, so lange es warm war. 
Die Presse mußte nachhelfen, um die öffentliche Meinung und 
durch sie die maßgebenden Kreise in der Richtung der Pläne der 
liberalen Partei in Bewegung zu setzen. Von dem Gothaer Centrum 
aus wurde die Tagespresse beeinflußt und die Parole für eine 
Anzahl von Flugschriften ausgegeben. Und da wieder war der 
Verfasser der „Vier Monate“ einer der Ersten auf dem Plastze. 
Er schrieb im März 1854 seine Broschüre Preußen und Ruß— 
land“ (Leipzig, bei S. Hirzel).
	        
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