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VII. Vogelfrei

Full text: Mein Leben und mein Wandern / Brugsch, Heinrich (Public Domain)

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Vogelfrei. 
vollsten Umfange beherrschten und in Berlin und Charlotten⸗ 
burg besser Bescheid wußten als in Teheran und in der 
nächsten Umgebung. In der Familie meines alten Freundes 
Prof. Dr. Dieterici in Charlottenburg hatten beide Kinder 
Irans ihr wundervolles Deutschtum gewonnen. 
Aber auch von anderen Eindrücken war seit der Ankunft 
der ersten deutschen Gesandtschaft in Persien meine Seele ge— 
fesselt. Sie verschafften mir die Freude, mich selbst im Herzen 
von Asien mit Stolz als Deutscher fühlen zu können. Unter 
der Regierung und Führung Kaiser Wilhelms J., dem 
seine Paladine Ser Hismarck und Graf Moltke als treue 
Hüter und Schünen des geenigten Deutschen Reiches zur Seite 
standen, hatte das Ru über den ganzen Erdball hin 
eine Bedeutung err dic 7 seinen vielen redlichen Freunden 
das Gefühl der Bewunderung und Achtung, bei seinen wenigen 
Feinden Neid und Furcht ervorriefen. Der Name Aleman 
war in dem fernsten persischen Dorfe bekannt und zu einem 
Ehrenworte für alle Größe und jede Tugend geworden. 
Alemania saß an der Spitze im Rate der Völker und Iran 
mußte es in tiefster Seele empfinden, daß die deutsche Freund— 
schaft nicht bloß ein leerer Wahn sei Darum die aufrichtige 
Herzlichkeit und di. hösten Ehrungen, mit denen die erste 
deutsche Gesandtschaft inr Teheran vom Schah und der ge— 
samten Bevölkerung empfangen wurde. Daß jedes Mitglied 
der Gesandtschaft seinen Tetl von der aufrichtigen Begeisterung 
des Perservolkes davontrug, braucht nicht erst gesagt zu werden. 
Selbst unsere persischen Diener empfingen ihr Teilchen davon, 
sobald sie sich mit dem eingestickten deutschen Reichsadler am 
Dienstrock auf der Gasse sehen ließen. 
Mein wirz oAplomatisch Taufbahn entbehrte nicht eines 
poetische. Beigeschmackes, wenigstens suchte ich das nüchterne 
Alltagsleben mit den Blumen der persischen Dichtkunst zu
	        
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