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II. Meine Studentenjahre

Full text: Mein Leben und mein Wandern / Brugsch, Heinrich (Public Domain)

Meine Studentenjahre. 
Franzosen meinen deutschen, zum Gallier gewordenen Lands— 
mann bezeichneten setr züngerer Kollege Mr. Eggers, der 
sich mit der Heranegat des Letronneschen Nachlasses be— 
schäftigte, der Ägyptolog Vicomte E. de Rougé und sein 
Kollege Ch. Lenormant, der neueste Demotiker de Sauley, 
zu der Zeit Oberst in der Armee und Direktor des Artillerie— 
Museums, der scharfsinnige Numismatiker Longpéarier, der 
Herausgeber der Schahname des Firdusi: Jules Mohl, die 
beiden Ampère, der berühmte Astronom Biot und viele 
andere Mitglieder des Institut, sie alle empfingen mich, den 
schüchternen jungen Studenten aus Berlin, wie einen werten 
Freund undec Vekannten, und tief beschämt empfand ich 
die Schwier!!ncr Lage, für die ich nicht geboren war 
und die in alle— Taigkeit zu behaupten mir die Kraft und 
der Mut und .., am letzten die erforderliche Menschenkennt— 
nis zu fehlen ienen. 
An den Sitzungen der Akademie nahm ich regelmäßig 
Anteil und ich lauschte mit dem höchsten Vergnügen den Vor⸗ 
trägen und Diskussionen über gelehrte Gegenstände. Die Könige 
der Wissenschaft saßen an einem langen, grünen Tische in der 
Mitte eines mächtigen Saales, im Hinterhofe des Institut, und 
jedermann war der Hutritt gestattet, ur: 21 geistigen Größen 
Frankreichs in ihrer leibhaftigen Gestalt bewundern. War 
die Sitzung zu Ende, so zog man sich u die Sprechzimmer 
zurück und gruppenweise saß man vor den geheizten Kaminen, 
um Privatgespräche zu führen, Tagesfragen zu erörtern oder 
neue Entdeckungen auf wissenschaftlichem Gebiete mit französi⸗ 
scher Lebhaftigkeit zu beleuchten. Bei allen Unterhaltungen 
b lieben die höflichsten Formen gewahrt und selbst die Jronie 
hüllte sich in die feinsten Wendungen. Einen derberen Ton 
schlug der mitärisch geschulte Oberst und Akademiker de Sauley 
an, aber die Unsterblichen lächelten über seine spaßhaften Aus—
	        
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