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Darstellung Kapitel I. Organisation des Berliner Goldschmiede-Amts von 1555 bis 1800

Full text: Die Berliner Goldschmiede-Zunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 / Sarre, Friedrich (Public Domain)

L6. Jahrhunderts setzen eine bestimmte Wanderzeit fest; in Cöln betrug sie im 
14. Jahrhundert 8 Jahre, in Wismar ordnete man im Jahre 1610 eine sechs- 
jährige Wanderzeit an. In Berlin bestimmt die Ordnung vom Jahre 1555 
(Urk. 4) und die darauf beruhenden Privilegien des 16. und 17. Jahrhunderts, 
lass die Wanderschaft 4 Jahre, nach dem General-Privilegium (Urk. 40) min- 
destens 3 Jahre dauern soll, und es werden hier dem (zesellen, der Soldat 
yewesen oder „bei Herrschaften gedient hatte‘, zwei Dienstjahre als ein Wander- 
jahr in Anrechnung gebracht, Einem Meisterssohn stand nach den älteren Berliner 
Goldschmiedsrollen die Vergünstigung zu, nur 2 Jahre wandern zu brauchen. 
Wer in Berlin die Meisterschaft erwerben und sich hier als zünftiger Meister 
niederlassen wollte, von dem wurde im 16, und 17. Jahrhundert verlangt, dass er 
4 Jahre lang‘ bei einem oder zwei Meistern der Stadt „um billigen Lohn“ als 
(Geselle arbeitete, und nur bei dem, welcher in Berlin selbst gelernt hatte, 
wurde «diese Zeit auf 2 Jahre beschränkt. Auch in anderen deutschen Städten, 
wie z. B. in Strassburg im 17. Jahrhundert, scheint man 4 Jahre gefordert zu 
haben, während in Wismar seit dem Jahre 1610 nur 2 Jahre und in Lüneburg 
stets 3 Jahre üblich waren. Nach den Ordnungen vom Jahre 1555 und 1572 
‚Urk, 4 und 5) konnte sich der Geselle von diesen 2 Jahren durch die Zahlung 
von 20 Gulden loskaufen und vollständig befreit vom Dienst sowohl, als von 
ler Zahlung, war derjenige, welcher „eines Goldschmieds Wittwen oder Tochter 
ehelicht, oder selbst eines Goldschmieds Sohn, der in Berlin gelernt hat').“ 
Das General-Privilegium vom Jahre 1786 fordert solches „aufs Jahr arbeiten“ 
überhauptnichtmehr und setzt nur in dem Falle eine halbjährige Probezeit fest, wenn 
der Meister-Candidat über seine Wanderzeit keine Zeugnisse aufzuweisen imstande 
st, „damit man seiner ehrlichen Aufführung einigermassen versichert sein kann.“ 
(regen Ende des 15. Jahrhunderts sahen die Berliner Goldschmiede den 
nauptsächlichsten „(Grund ihrer schlechten Nahrung in der Vielheit der Meister, 
von denen einige kaum 3 Jahr gelernt hätten,“ und sie beantragen beim 
Magistrat, die Meisterzahl zu beschränken, und u. a. „dass statt des Wanderns 
in fremde länder, wo sich die Gesellen wohl 8, 10 bis 12 Jahre aufhielten, 
dieselben fortan 7 bis 8 Jahre in Berlin oder anderswo vorher gesellenweis 
arbeiten sollten“ (Urk, 57). Ein königliches Rescript vom 20. Juni 1776 ver- 
fügt hierauf, „dass niemand, der nicht wenigstens 6 volle Jahre als Geselle 
gearbeitet hat, zum Meisterrecht zugelassen werde.“ (Urk, 58.) 
Hatte der Geselle die vorschriftsmässigen Jahre gearbeitet, so konnte er 
in einer Quartalsversammlung das Handwerk um die Zulassung zur Verfer- 
tigung des Meisterstücks „freundlich, wie sich’s gebürt‘, bitten und musste 
Jies. an den beiden nächsten Quartalen wiederholen. Bei der ersten „Muthung“‘, 
so wurde diese Bewerbung um die Meisterschaft genannt. legte der Geselle 
1) Im Jahre 1633 (6. Juli) fordert der Kurfürst Georg Wilhelm den Rath zu Cöln a. d. Spree 
uf, dafür Sorge zu tragen, dass das Goldschmiede-Amt der beiden Städte den Goldschmied Christian 
Magnus mit dem onere des zweijährigen Arbeitens verschone und ihn ohnedem zur Verfertigung des 
Meisterstücks zulasse und in die Zunft aufnehme. (Vel. No. tar‘
	        
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