Path:
Darstellung Kapitel I. Organisation des Berliner Goldschmiede-Amts von 1555 bis 1800

Full text: Die Berliner Goldschmiede-Zunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 / Sarre, Friedrich (Public Domain)

zu überzeugen, dass der Feingehalt des Silbers und Goldes der richtige war, 
ınd entnahmen hier jedesmal eine Probe, welche mit der Marke des be- 
«reffenden Meisters gezeichnet wurde. Setzte die Ordnung vom Jahre 1555 
'Urk. 4) fest, dass diese Visitationen von den Altmeistern selbst ausgeführt 
wurden, so bestimmte man im Jahre 1597 (Urk. 8), dass dies eine Pflicht der 
beiden jüngsten Meister wäre, welche auch in anderen Amtsgeschäften den 
Aeltesten zur Hand sein sollten. Auch das verarbeitete Silber und Gold, alles 
über 2 Loth (Urk. 4) oder 4 Loth (Urk. 8) wiegende Silbergeräth und jede 
Goldarbeit musste vor dem Verkauf den Altmeistern gezeigt werden, welche 
dieselbe „bestrichen“ d. h. zur Probe der Vollwertigkeit mit der Strich- 
nadel ritzen und durch Einschneiden der Zickzacklinie „bestachen‘“, War der 
Feingehalt der geprüften Gegenstände nicht der richtige, so hatten die Altmeister 
die Pflicht, dieselben untauglich zu machen und zu zerbrechen, die Verfertiger 
aber zur Strafe zu ziehen. Erst dann, wenn sich die Gegenstände als voll- 
wertig herausgestellt hatten, wurden sie von dem Altmeister zweimal gestempelt, 
mit dem Zeichen der Stadt und dem des Goldschmieds, der die Arbeit ge- 
fertigt hatte. Wir werden noch später eingehender auf die in Berlin übliche 
Stempelung zurückkommen. Besondere Vorsicht wird den Meistern bei der 
Stempelung von zusammengesetzten (jegenständen durch ein kurfürstliches 
Edict vom Jahre 1676 (Urk. 18) anempfohlen, und später, im Jahre 1714, fest- 
yesetzt, dass der eine Altmeister nicht eher den Stempel aufsetzen darf, als 
bis sein Genosse den Ziselierstrich gemacht hat (Urk. 31). Für diese Be- 
mühung des Beschauens empfingen die Altmeister von dem betreffenden (xold- 
schmiede eine Entschädigung, „das Beschaugeld‘“, dessen Höhe sich nach dem 
Silberwert richtete. Die Altmeister hatten anfänglich (Urk, 4) für je eine 
Mark Silber 4 Pfennige und für je 10 Goldgulden 2 Pfennige zu beanspruchen; 
ı1ach dem General-Privilegium von 1735 (Urk. 40) betrug diese Abgabe für 
»ine Mark Silber 10 Pfennige, während sie für Goldsachen von gleicher Höhe 
blieb. In Strassburg bestand die Sitte, den Beschaumeister für seine Mühe- 
waltung von der Zunft aus durch ein jährliches Gehalt von 4 lib. 5. und einen 
Vorrat Kohlen zu entschädigen‘). 
Im Hause der Altmeister und in der Verwahrung derselben befand sich 
die Lade des Goldschmiede-Amts, in welcher die Privilegien, die Kasse und 
alle die Zunft und ihre Verwaltung betreffenden Dokumente und Briefschaften 
ıufbewahrt wurden, Diese Lade war gleichsam das Symbol des Hand- 
werks; sie galt den Zunftgenossen als etwas Heiliges, um das sich alle bei 
yemeinsamem Zusammensein schaarten; barg doch‘ die Lade die Satzungen 
und Vorschriften in Gestalt der von der Obrigkeit privilegierten Ordnungen, 
[n der älteren Zeit durfte niemand vor der Lade mit Waffen erscheinen, und 
feierliche Ceremonien und Gebräuche bei Oeffnung und Schliessung‘ derselben 
sorgten dafür, diesen mystischen Glanz aufrecht zu erhalten, Die_Gesetz- 
gebung Friedrich Wilhelms I, beseitigte diese Formalitäten und bestimmte im 
General-Privilegium, dass keine Ceremonien bei der Lade geduldet werden 
Ha-c Mever: Die Strassburger Goldschmiedezunft. Leipzig. 1{
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.