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Darstellung Kapitel I. Organisation des Berliner Goldschmiede-Amts von 1555 bis 1800

Full text: Die Berliner Goldschmiede-Zunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 / Sarre, Friedrich (Public Domain)

Amtswaltung herausbildete. Diese scheint nicht vor dem Beginn des 18. Jahr- 
nunderts gebräuchlich gewesen sein. Als nach dem Regierungsantritt König 
Friedrich Wilhelms I. das Berliner Goldschmiede-Amt um die Konfirmation 
seiner Privilegien einkommt, bittet es unter anderem, den Artikel 10 zu ändern 
and eine zweijährige Probezeit des Altmeisters festzusetzen, ehe derselbe dauernd 
angestellt werde; „dann möge es dem Amt überlassen bleiben, ihn zu behalten 
oder einen neuen zu wählen, wie es auch in Augsburg, Nürnberg und lIam- 
burg der Brauch sei.“ C()b man diese Probezeit eingeführt hat, ist nicht ersichtlich. 
In den Urkunden wird bald von dem Altmeister, bald von den beiden Altmeistern 
gesprochen, und es scheint, als ob zwar immer zwei Altmeister im Amt waren, 
Jass aber seit dem Ende des 17%. Jahrhunderts die autoritative Stellung‘ des 
ainen bedeutender wurde, so dass man von dem Altmeister und seinem Neben- 
Altmeister sprechen konnte, 
War die Wahl anfänglich dem Amte selbst überlassen, so trat mit der 
Abnahme der zünftigen Selbständigkeit hierin eine Änderung ein. Nachdem (jeneral- 
Privilegium vom Jahre 1735 fand meistens überhaupt keine Wahl mehr statt, 
„zum Altmeister muss“, wird hier vorgeschrieben, „ohne erhebliche Ursachen 
kein anderer als der älteste Meister, sofern er Kaution stellen, seine Functionen 
verrichten und dem ganzen Handwerk in Sachen, so die Notdurft erfordern 
würde, dienstlich und nützlich sein kann, genommen werden. Wenn aber 
Ursachen vorhanden, warum der älteste Meister dieses Amt nicht übernehmen 
könnte oder wollte, muss der Beisitzer — der zur Beaufsichtigung der Zünfte 
seit 1731 ernannte Beamte des Magistrats — mit dem Gewerk sich der Wahl wegen 
vereinigen, allenfalls aber, da sie sich nicht einigen könnten, an das Mayistrats- 
Kollegium die Sache gelangen lassen, welches sodann einen Altmeister be- 
nennen muss,‘ Wird hier dem Amte das Recht, seinen Vorsteher zu wählen, 
vollständig genommen, so hatte sich dasselbe schon früher dieses Vorrechtes 
freiwillig entäussert und gezeigt, dass es nicht imstande war, sich selbständig 
zu regieren. Nach einem langwierigen Prozess, den das Amt mit seinem Alt- 
meister Daniel Männlich d. J. vor dem Berliner Kammergericht lange Jahre 
nindurch geführt und dabei verloren hatte, wandte es sich im Jahre 1717 direct 
an den König und bat ihn, Männlich aus landesfürstlicher Gewalt abzusetzen, 
Dies geschah, und der König ernannte, ohne eine Neuwahl dem Amt selbst 
zu überlassen, seinen Hof-Goldschmied Christian Lieherkühn d. A. zum 
Altmeister. (Vgl. No. 133). 
In einem anderen Falle wurde beim Weihnachtsquartal 1751 auf Befehl 
des Mayistrats der Altmeister Payot abgesetzt und der Goldschmied (rrabia 
an seiner Stelle zum Altmeister ernannt. Als die Berliner Goldschmiede sich 
hierüber beim König beschwerten und darum baten, ihnen die Befugnis, ihren 
‚Altmeister selbst zu wählen, zu lassen, antwortet der König in einem Decret 
vom 6. April 1752, dass diese Anordnung‘ des Magistrats zu Recht bestehen 
solle, er „verbitte sich jedes Querulieren.“ (Vgl. No. 377 und 379). 
Die vornehmste Aufgabe der Altmeister bestand in der Ueberwachung 
der gesetzlich festgesetzten Verarbeitung‘ des Metalls. Sie hatten sich durch 
manatlıche unancemeldete Visitatianen in den einzelnen Werkstätten davon
	        
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