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Darstellung Kapitel I. Organisation des Berliner Goldschmiede-Amts von 1555 bis 1800

Full text: Die Berliner Goldschmiede-Zunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 / Sarre, Friedrich (Public Domain)

Wie im übrigen Deutschland hatte auch in den brandenburgischen 
i,anden das Innungswesen seit dem Ausgange des Mittelalters im Verlauf des 
16. und 17. Jahrhunderts grosse Veränderungen erfahren. Die staatliche (re- 
walt suchte den Zünften gegenüber, im Gegensatz zur städtischen Ver- 
waltung, die landesherrliche Autorität zu heben und die Selbständigkeit 
ler Gewerke einzuschränken. Joachim I. hatte es, vor allem durch die Polizei- 
ordnung: vom Jahre 1515, versucht, eine Reform der Zünfte herbeizuführen; 
aber seine nächsten Nachfolger schritten auf diesem Weg nicht weiter, sie 
jegnügten sich damit, einigen der bemerkenswertesten Missbräuche zu steuern, 
Erst unter der Regierung des (irossen Kurfürsten gingen von seiten des Staates 
energischere Massregeln aus. Die Zünfte wurden nach und nach vollständig 
seiner Oberhoheit unterstellt, und diese Gewerbe- Politik fand endlich unter 
Friedrich Wilhelm I. ihren Abschluss durch „die General - Privilegien für 
Zünfte und Handwerk der Kurmark Brandenburg“, 
Das Amt der (1oldschmiede in Berlin-Cöln bestand aus denjenigen, welche 
hier das Meisterrecht erworben, und mit deren Eintritt in ihre Gemeinschaft 
sich die Zunftgenossen einverstanden erklärt hatten. Die zunftmässigen 
10oldschmiede waren verpflichtet, die allgemeinen, in der Handwerks-Ordnung vor- 
zeschriebenen Satzungen zu beobachten, und genossen dafür das Recht, un- 
yehindert ihr Handwerk treiben und sich Lehrjungen und Gesellen halten zu dürfen. 
Bei etwaigem Unglück fanden sie in der Zunft Rückhalt, Schutz und Unter- 
;tützung. Auch die Goldschmiede, welche in kleinen, Berlin benachbarten 
Städten ansässig waren, mussten, falls sie hier Handel treiben wollten, 
sich der Zunft gegenüber verpflichten, die Ordnung in allen Stücken vorschrifts- 
mässig zu beobachten (Urk. 8, Art. 15). Auch sie konnten das Meisterrecht 
;n Berlin erwerben und durften folglich auch Lehrjungen und Gesellen 
aeschäftigen, die jedoch von der Berliner Zunft und nicht in einer anderen 
Stadt losgesprochen werden mussten. Nur einmal im Jahr waren sie 
verpflichtet, an Quartalsversammlungen teilzunehmen, und bezahlten dann eine 
Abgabe von einem Thaler. Als Meistergeld brauchten sie nur einen Teil der 
sonst üblichen Summe zu entrichten, mussten jedoch das Fehlende nachzahlen, 
venn sie sich später in Berlin sesshaft machen wollten (Urk. 40, Art. 9). 
Die Anzahl der zünftigen Meister war nicht beschränkt, d. h. es 
and keine „Schliessung des Amtes“ statt, wie in anderen deutschen Städten, 
wo die Zunft oft nur aus einer bestimmten Zahl von Meistern zu gleicher Zeit 
bestehen durftel\ 
') In Lübeck war das Amt im 13. Jahrhundert geschlossen; ebenso in Hamburg im Jahre 1469: 
n Rastack im Tahre tıc60 (a Meister) und in Wismar 1602 (© Meister) und 17€ (7 Meister)
	        
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