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Darstellung Kapitel V. Kunstgeschichtliche Würdigung der erhaltenen Arbeiten

Full text: Die Berliner Goldschmiede-Zunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 / Sarre, Friedrich (Public Domain)

durch dieses Stück Berliner Herkunft veranschaulicht werden, Solche zier- 
lichen Gegenstände oder zum täglichen Gebrauch dienende Kaffee- oder 
Thee - Service sind die eigentlichen Repräsentanten des Rokoko - Stiles; und 
der allgemeine (tjeschmack fand an ihnen auch mehr Gefallen, wie an den 
wrösseren ‚Arbeiten, Diese Anschauung tritt in einem tresuch des Berliner 
(toldschmiede-Amts vom 20, Mai 1757 (Urk. 55) zutage, wo es um die Er- 
lauhnis einkommt: „statt der im Privilegio genannten grossen kostbaren 
Meisterstücke, einer silbernen Terrine oder Thee-Maschine, nur Kaffee- und 
T’heekannen, Präsentier- Teller oder dergleichen aus Silher zum Meisterstück 
zu machen.“ 
Während sich in Frankreich schon seit der Mitte des Jahrhunderts ein 
Umschwung in der (jeschmacksrichtung und die Rückkehr zu den reineren 
klassischen Formen geltend machte, trat dies in Deutschland erst 20 bis 
30 Jahre später ein. „Man brachte“, heisst es im Jahre 1786!) von den 
Berliner Handwerkern, „denselben bessere und zierlichere Begriffe von den 
Kunstwerken bei. Der Erfolg ist wirklich entsprechend gewesen und dadurch 
eine neue (Generation von künstlichem Hausgeräth entstanden, welches das 
alte so ziemlich verdrängt hat.“ Silber-(reräthe, welche im Stil Louis XVI. 
und im Empire-Stil gearbeitet sind, haben sich im Verhältnis zu den Resten 
früherer Perioden ziemlich zahlreich in Berlin erhalten. Zwei zweiarmige 
Leuchter (Taf. XIV) in der Sammlung G. Reichenheim verdienen als hervor- 
ragende Stücke ihrer Art besonders genannt zu werden. Sie sind von dem 
(roldschmiede F. J. Stolz gefertigt. Auch Ilerr Professor J. Lessing in Berlin 
besitzt mehrere gute Silberarbeiten Berliner Herkunft, welche iedoch meist 
aicht mehr dem 18. Jahrhundert angehören. 
Wie wir oben ausführten, bestand die Zunft der Berliner Goldschmiede 
aus drei ‚Arten von ITandwerkern: erstens aus den Silberarbeitern, zweitens 
aus den (Toldarbeitern und Juwelieren und drittens aus den sogen. (ijalanterie- 
Arbeitern, Die Juweliere und (ralanterie-Arbeiter waren meist französischer 
Abkunft, und sie waren es auch gewesen, welche den Geschmack an derartigen 
Erzeugnissen der (joldschmiedekunst von Frankreich nach Deutschland ver- 
pflanzt und hier heimisch gemacht hatten. Zwar war auch schon in früherer 
Zeit, im 16. und 17. Jahrhundert in Berlin Juwelier- Arbeit angefertigt worden 
— wir erinnern an die umfangreichen Bestellungen Joachim’s IL und des 
(irafen I,ynar --, aber zur eigentlichen Blüthe gelangte dieser Zweig des 
(roldschmiede- ]andwerks erst seit dem HKnde des 17. Jahrhunderts, seit der 
Einwanderung der französischen Refugies. ‚Die intelliyventen Franzosen waren 
in den verschiedensten (zebieten bewandert; ein Beispiel einer solchen universal 
angelegten Künstlernatur ist Pierre Fromery (vgl. No. 211a), „qui excellait 
dans presque toutes les parties de la mechanicque et des arts.“ Die schönste 
der von ihm erhaltenen Arbeiten (vgl. Seite 68) befindet sich im IHIerzoglichen 
Museum in Braunschweig, Die für Herzog Rudolf Ludwig hergestellte 
Kassette, deren Seitenflächen aus blanknolirtem Eisen hestehen. ist reich 
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