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Darstellung Kapitel V. Kunstgeschichtliche Würdigung der erhaltenen Arbeiten

Full text: Die Berliner Goldschmiede-Zunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 / Sarre, Friedrich (Public Domain)

Wie wir oben (Seite 49 und 50) ausführten, nimmt Christian 1ieber- 
kühn d. J. (No. 133 und Seite 60) als Hofgoldschmied Friedrich Wilhelms I. 
und Friedrichs II. in der Geschichte des Berliner Goldschmiede - Gewerbes 
eine hervorragende Stelle ein. Er war es, der den silbernen Chor im Ritter- 
saal des Schlosses gefertigt hatte, und der sich der ganz besonderen (junst 
des grossen Königs erfreute. Er lernte auf Kosten desselben die Pariser und 
Londoner Werkstätten kennen, um nach Berlin zurückgekehrt, eine Reihe 
von goldenen und silbernen Tafelservicen für seinen königlichen Herrn anzu- 
fertigen, von denen sich noch mehrere Stücke in der Kgl. Silberkammer 
erhalten haben. Als Beispiel bringen wir auf Taf. IX. eine Terrine, welche 
zwar einfach aber doch geschmackvoll ornamentirt ist. Die Füsse und Henkel 
zeigen vortrefflich komponierte Rokokoformen, während auf dem Deckel eine 
Weinranke als Handhabe angebracht ist, welche Dekoration von Lieberkühn 
besonders bevorzugt worden zu sein scheint. Ein Weinlaubzweig bedeckt 
Abb, 4. Menage, Arbeit des C, L. Pintsch. Um 1750, 
Aus dem Besitz des Herrn Dr. G. Reichenheim. Berlin 
mit seinen feingeäderten und gezackten Blättern auch die Fläche jenes zierlichen 
Tabletts, (Taf. X.) welches, im Besitz des Herrn E. Possart in Berlin befindlich, 
den besten uns erhaltenen Rokoko-Arbeiten an die Seite gesetzt werden kann 
und ein Beweis der hohen künstlerischen Begabung Lieberkühns ist. Besonders 
glücklich muss hier die ovale Form des Tabletts und der Griff genannt werden, 
welcher wiederum eine Weinranke mit kleinen Blättern darstellt, während „der 
Rand aus leicht geschwungenen Rokaillen gebildet wird. Vielleicht kann 
man auch bei diesem Gegenstande eine Mitwirkung des Goldschmieds Schwan- 
felder annehmen, der, ein Schüler des Ciseleurs Jacob Barbiez und längere 
Zeit in London thätig, bei anderen Arbeiten, wie dem silbernen Chor oder 
dem goldenen Service, Tieberkühn als Zeichner und Ciseleur zur Seite ge- 
standen hat. Leider ist ja von letzterem Tafelgeräth nur noch ein Teller vor- 
handen, der, im Krontresor aufbewahrt, in der Form und besonders in der 
Profilirung des Randes den übrigen erhaltenen Lieberkühn’schen Arbeiten 
Licht nachsteht.
	        
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