Path:
Volume Text

Full text: Unsere Wohnungs-Enquete im Jahre ... (Public Domain) Issue1910 (Public Domain)

in Räumen bis höchstens 5 Quadratmetern. Bei Beurteilung der Ziffern muss aber auch 
beachtet werden, dass in der Tat der zur Verfügung stehende Raum stets noch geringer ist, 
weil der Platz abzurechnen ist, welchen auch die allernötigsten Möbel einnehmen. 
Zeichnen wir in ein Quadrat von 5 Metern nur eine Bettstelle und einen Stuhl ein, so über- 
zeugen wir uns sofort, wie wenig Platz noch übrig bleibt, und fügen wir auch noch das 
Mass eines kleinen Tisches bei, so schwindet die Möglichkeit, nur einige Schritte auf und 
ab zu machen, bis auf ein Minimum. 
Ein Mindestmass von 12,18 Quadratmetern kann um so mehr als bescheiden be- 
zeichnet werden, wenn wir berücksichtigen, dass Siebold*), dem doch durch seine Tätigkeit 
in Bethel auf dem Gebiete des Arbeiterwohnungswesens eine besonders grosse Erfahrung 
zu Gebote steht, für die Küche mindestens 14-15 Quadratmeter und dabei noch an Schlaf- 
räumen ein grösseres mit 14 Quadratmeter und zw ei kleinere Schlafzimmer zu je mindestens 
10 Quadratmeter fordert. In den der schönen Arbeit beigegebenen Plänen finden wir für 
das „kleinste‘‘“ Haus die Wohnküche mit 4,10 zu 3,70 Meter Bodenfläche und 2 Kammern 
mit 3,90 zu 3,50 bezw. 2,70 zu 3,50 Metern und eine Diele. Wir können danach ermessen, 
um wieviel ungünstiger ein sehr grosser Teil unserer Kranken untergebracht ist. - 
Nehmen wir aber, wie wir dies auch bisher getan haben, 20 Quadratmeter als 
Mindestfläche, so bleiben die Aufenthaltsräume von 
1910 1901/09 
3620 Männer — 57,70 Proz. 35929 Männer == 62,45 Proz. 
3835 Frauen — 56,51 30874 Frauen — 6244 
unter dieser Anforderung. Das erscheint um so bedauerlicher, als Bewegungsspielraum in 
der Wohnung in den grossen Städten je mehr zur Notwendigkeit wird, je schwieriger durch 
die immer grösser werdenden Entfernungen die Möglichkeit ist, ins Freie zu gelangen. 
Rost**) bezeichnet es als „wohl allgemein gültige Tatsache, dass der Gesamtflächenraum einer 
Wohnung relativ um So kleiner ist, je weniger Räume sie zählt“. Damit ist aber auch aus- 
gesprochen, dass den Mietern dieser ganz kleinen Wohnungen höchstens dann noch etwas 
Bewegungsspielraum verbleibt, wenn sie gar keinen oder nur den allernotwendigsten Hausrat 
besitzen. Die Vermehrung desselben wird aber auch durch die Enge des Raumes beschränkt. 
Die Verteilung unserer Kranken nach der Höhe ihrer Aufenthaltsräume ersehen wir 
aus unseren Tabellen B 1 und B 2. Wir legen als Mass zur Beurteilung unserer 
Ermittlungen 2,80 Meter an, die Mindesthöhe, welche die Berliner Baupolizeiordnung für 
Wohnräume zulässt. Wir fanden 
1910 
224 = 11,72 Proz. der Handlungsgehilfen, 375 = 13,18 Handlungsgehilfinnen 
1150 = 20,36 „ Handelshilfsarbeiter, 878 = 22,28 Handelshilfsarbeiterinnen 
1374 — 21,90 Proz, der Männer 1253 = 18,46 Proz. der Frauen 
und in den Jahren 1901/09 
15989 — 27,87 Proz. Männer 
12600 = 25,49 „ Frauen 
in Räumen, welche niedriger waren, 
In Aufenthaltsräumen, welche noch nicht 2,25 Meter Höhe ergaben, wurden 
1910 
14 — 0,52 Proz. Handlungsgehilfen, 18 = 0,64 Proz. Handlungsgehilfinnen 
31 —= 0,71 „  Handelshilfsarbeiter, 32 — 0,81 Handelshilfsarbeiterinnen 
45 = 0,65 Proz. der Männer 50 == 0,74 Proz. der Frauen 
1901/09 
1059 — 1,84 Proz. der Männer 
782 — 1.59 „ der Frauen 
angetroffen. Mögen diese Ziffern auch gering erscheinen, im Vergleich mit den 
57532 Männern und 
49445 Frauen. 
*) „Ein Beitrag zur Lösung der Frage des Kleinwohnungswesens“, von K. Siebold, Regierungs- 
Zaumeister a. D. Verlag der Buchhandlung der Anstalt Bethel. 1906, 
**) ‚Das moderne Wohnungsproblem“, von Dr. Hans Rost. Sammlung Kösel.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.