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Full text: Unsere Wohnungs-Enquete im Jahre ... (Public Domain) Issue1907 (Public Domain)

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ainer Feldbettstelle, welche abends erst aufgestellt wird. Ausserdem dient die Küche der 
Mutter als Arbeitsraum. Heizung erfolgt durch Kochmaschine. Der Vater des Patienten 
ist an Tuberkulose verstorben. | 
Oberbaumstr. 5, linker Seitenflügel, 2 Treppen. 
Patientin ist an Bleichsucht erkrankt. Sie ist Witwe. Der Mann ist an Tuberkulose 
verstorben. Sie bewohnt eine Stube und eine kleine Küche. Die Stube ist an Schlafleute 
vermietet. Die elend aussehende Patientin schläft in der Küche mit einem Kinde in einer 
eisernen kleinen Bettstelle, die kaum für eine Person Platz bietet. Als Heizgelegenheit dient 
die Kochmaschine. 
Feuchte Wohnungen erscheinen mit all ihren unangenehmen und schrecklichen 
Begleiterscheinungen: 
Schwerinstr. 15, Quergebäude im Keller. 
Patientin, die an Gürtelrose leidet, bewohnt eine dunkle Stube, die Schlechte Luft 
aufweist. Die Tapeten sind vielfach beschädigt. Der Fussboden ist grau von Schmutz. Vor 
dem Kachelofen befindet sich noch ein kleiner eiserner Ofen, auf dem gekocht wird. Es 
herrscht grosse Unsauberkeit auf der Treppe und dem Flur; zwei weitere Mieter wohnen 
noch im Kellergeschoss. 
Sorauerstr. 13, Quergebäude im Keller. 
Die Patientin bewohnt mit noch 4 Personen eine Stube, welche dunkel ist und 
dumpfig riecht. Die Wohnung liegt 1,80 Meter unter der Hofsohle. Eine schmutzige Keller- 
‚reppe führt zu der Stube, stinkige faulige Luft empfängt den Eintretenden. Luft und Licht 
haben keinen Zutritt zur Wohnung, Die Wände befinden sich in einem schmutzigen verwahr- 
josten Zustand. Seit 6 Jahren ist die Wohnung nicht repariert worden. Während des ganzen 
Winters waren die Fenster teilweise ohne Scheiben. Die Kochmaschine dient auch Heiz- 
zwecken. Die Kranke teilt das Bett mit einem Kinde. 
Stromstr. 46, Seitenflügel parterre. 
Die Wohnung besteht aus Stube, Kammer und Küche. 6 Personen teilen mit dem 
Kranken die Räume. Heizgelegenheit ist nicht vorhanden. Die Wohnung ist dunkel und 
durchweg nass, so dass die Dielen faulen. Schnecken und allerlei Gewürm kommen aus 
den fauligen Stellen nachts in die Wohnstätte. Obwohl viel gelüftet wird, herrscht eine 
noderige Luft vor. Das Grundstück steht seit Jahren zum Abbruch, weshalb die Zustände 
nicht geändert werden. 
Belle-Aliancestr. 98, vorn 3 Treppen. 
Die aus 2 Stuben und Küche bestehende Wohnung ist nur 2,40 Meter hoch und an 
den Fenstern feucht. Schimmelpilze sind sehr ausgedehnt und verbreiten besonders an 
euchten Tagen einen Modergeruch. An der Decke nahe dem Fenster regnet es durch. Die 
Küche hat nur ein Fenster von 75 cm Höhe und 50 cm Breite. Die Wasserleitung wird 
on 4 Familien benutzt und befindet sich auf dem Flur. Ein Raum wird als Nähstube benutzt. 
Nostizstr. 43, vorn im Keller. 
Der an Lungenentzündung leidende Patient bewohnt eine nach dem Hofe zu gelegene 
Stube, die nur ein Fenster hat und dunkel, dumpfig riechend und an dem Fenster feucht ist. 
Der Putz ist von den Wänden zum Teil herabgefallen, die Decke fast schwarz geräuchert. 
Der Fussboden ist zum grössten Teile morsch und verfault und weist eine Reihe von Löchern 
auf, durch welche die Mäuse gehen. Der dunkle Korridor ist ehenso beschaffen. 
Potsdamerstr. 82 b, Kellerwohnung im rechten Seitenflügel. 
Die Wohnung des Patienten liegt 1,50 m unter dem Hofniveau. Die Grösse der 
Fenster beträgt 1,50 bis 1,10 m. Die Wohnung ist dunkel und äusserst feucht, so dass 
Patient schleunigst wieder ausziehen will. 
Manteuffelstr. 71, linker Seitenflügel 2 Treppen. 
Die Wohnung der lungenleidenden Patienten ist sehr feucht, so dass trotz guten 
Lüftens und Heizens dicke Pilze an den Wänden sitzen. Dumpfige, feuchte und kalte Luft 
herrscht im Zimmer.
	        
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