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Full text: Unsere Wohnungs-Enquete im Jahre ... (Public Domain) Issue1907 (Public Domain)

Zwischen den in Familien und den Schlafstellen bezw. möbliert wohnenden Patienten 
verteilten sich die Krankheiten wie folgt: 
ın Familien: in Schlafstellen: 
männlich weiblich männlich weiblich 
Erkrankungen der Lunge: 
736 = 13,28 Proz. 12,18 Proz. 224 . 15,52 Proz. 96 = 11,87 Proz, 
gegen 1906 
701 == 13,39 Proz. 616 == 12,34 Proz. 208 13,70 Proz. 133 15,27 Proz. 
Erkrankungen der Atmungsorgane: 
459 . 8,93 Proz, 396 — 17,93 Proz. 131 - 9,08 Proz. 59 -. 7,29 Proz. 
gegen 1906 
474 = 9,05 Proz. 363 -— 71,27 Proz. 136 8,96 Proz. 69 == 7,92 Proz. 
Neurasthenie, Hysterie : 
155 - 2,80 Proz. 236 — 4,72 Proz. 58 .- 4,02 Proz. 36 4,45 Proz. 
gegen 1906 
146 =— 2,79 Proz. 252 -— 53,05 Proz. 58 := 3,82 Proz. 51 -— 5,86 Proz. 
Sonstige Nervenleiden : 
239 4,31 Proz. 302 = 6,04 Proz. 68. 4,71 Proz. 52: 6,42 Proz. 
Jegen 1906 
303 .- 5,78 Proz. 309 - 6,19 Proz. 82 5,40 Proz. 77. 8,84 Proz. 
Rheumatische Erkrankungen: ; 
861 — 15,54 Proz. 421... 8,42 Proz. 161 =- 11,16 Proz. 60 -= 7,42 Proz. 
gegen 1906 
685 == 13,09 Proz, 444 8,90 Proz. 165 -: 10,87 Proz, 64 7,35 Proz. 
Akute Infektionskrankheiten: 
397 = 7,94 Proz. 89 =: 6,17 Proz. 49 6,06 Proz, 
5,18 Proz. 72 =— 4,74 Proz. 30 3,44 Proz, 
Sonstige Krankheiten: | 
2648 _. 47,78 Proz. 2635 52,77 Proz. 712 = 49,34 Proz. 457. 56,49 Proz. 
gegen 1906 
2597 -= 49,60 Proz. 2749 ... 55,07 Proz. 797 52,51 Proz. . 447 - 51,32 Proz. 
Dabei erscheint erfreulich, dass Erkrankungen an Neurasthenie und Hysterie sowie 
sonstige Nervenleiden einen, wenn auch geringen Rückgang erfuhren, dagegen treten rheuma- 
tische Erkrankungen und akute Infektionskrankheiten mehr in die Erscheinung. In einer Be- 
sprechung unserer vorjährigen Arbeit in der „Vossischen Zeitg.“ vom 19. März 1908 schreibt 
Herr Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld: Wir hätten mit Emphase die Lungenschwindsucht ‚die 
Wohnungskrankheit par exellence‘““ bezeichnet, hätten aber mit unseren Zahlen diese Bezeich- 
ı1ung nicht gerechtfertigt bezw. sprächen alle von uns gebrachten Zusammenstellungen da- 
gegen. Der Herr Rechtsanwalt folgert das daraus, dass der Prozentsatz derjenigen Lungen- 
kranken, welche für sich allein einen Schlafraum haben, bei den in Schlafstellen wohnenden 
Kranken relativ mehr als dreimal so gross wie bei den in Familie lebenden sei, vergisst aber 
dabei, die Beschaffenheit der Schlafstellen in Betracht zu ziehen. Hätte Herr Sonnenteld 
ınsere Tafeln genau geprüft, so hätte er finden müssen, dass in den Jahren 1901/05 von 
Jen in Familie lebenden Kranken 2,66 Proz. Männer und 2,33 Proz. Frauen, von den in 
Schlafstellen wohnenden Patienten 8,59 Proz. Männer und 6,43 Proz. Frauen in Räumen 
öhne Heizgelegenheit leben mussten, daraus, wie aus dem Umstand, dass die Schlafgänger 
nehr in Räumen mit eisernen Oefen bezw. mit Kochmaschinen hausen, wie Familienmitglieder, 
sowie ferner aus dem Umstande, dass diese Leute häufiger in gänzlich fensterlosen bezw. 
mangelhaft belichteten Räumen ihr Dasein fristen, ist wohl der berechtigte Schluss zu ziehen, 
dass hygienischen Ansprüchen in den Schlafstellen noch weniger genügt wird, wie in den 
Familienräumen. Weiter bleibt aber noch zu berücksichtigen, dass die Aufklärungsarbeit über 
jie Gefahren der Tuberkulose ihre Früchte auch darin zeitigt, dass sich heute schon eine 
arhebliche Anzahl Arbeiter weigern, mit Lungenkranken einen Schlafraum zu teilen. Die 
Behauptung, dass die Tuberkulose mehr wie irgend eine andere Seuche eine Wohnungs- 
crankheit ist, braucht an dieser Stelle wirklich nicht mehr bewiesen zu werden, längst haben 
sich die grössten Forscher des In- und Auslandes in diesem Sinne ausgesprochen und über- 
-eiche Beweise dafür erbracht.
	        
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