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Full text: Unsere Wohnungs-Enquete im Jahre ... (Public Domain) Issue1905 (Public Domain)

der Höhe der Neubauten auf drei Stockwerke eine der Ursachen der Abnahme der Tuber- 
kulose in England. „Innerhalb zwanzig Jahren hat sich dort die Zahl der Opfer um ein 
Viertel verringert.‘ 
Wie immer ist wiederum die Einwirkung feuchter Räume auf die Zahl rheumatischer 
Erkrankungen nachweisbar, wir konstatierien solche in 649 — 10,74 Proz. Vorderwohnungen 
und 817 — 11,92 Proz. Hofwohnungen, dort treten auch die sogenannten Erkältungskrankheiten 
besonders häufig auf, worauf neuerdings auch Gemünd!) aufmerksam machte, der auch 
weiter darauf hinweist, wie sehr Feuchtigkeit die Ansiedelung von Schimmelpilzen‘ begünstigt, 
und der Hausschwamm und zahlreiche Spaltpilze in feuchten Wohnungen einen zusagenden 
Nährboden finden. Dass der Tuberkelbazillus viele Wochen in Feuchtigkeit lebensfähig bleibt, 
während er im Sonnenlicht rasch abstirbt, ist längst nachgewiesen. Medizinalrat Dr. Abel, 
der auf der XXVII. Versammlung des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege über „Feuchte 
Wohnungen: Ursache, Einfluss auf die Gesundheit und Mittel zur Abhülfe‘“ referierte, fasste 
im sechsten seiner Leitsätze die gesundheitlichen Schädigungen wie folgt zusammen: ‚,...Dem- 
gemäss sind zunächst „Erkältungskrankheiten‘“ im weitesten Sinne des Wortes, dann aber 
auch Störungen der Körperentwickelungen bei Kindern, Herabsetzung der Widerstandsfähig- 
keit gegen ansteckende Krankheiten, Häufung bestimmter Infektionskrankheiten, Schädigungen 
der Verdauungsorgane mehr oder weniger unmittelbar mögliche und tatsächlich beobachtete 
Wirkungen des Bewohnens feuchter Räume‘. Jullierat wies für Paris nach, dass in den 
Arbeitervierteln, in deren Wohnung das Sonnenlicht keinen Eingang findet, die Tuberkulose 
ihre zahlreichsten und schutzlosesten Opfer findet, er hat die Häusergruppen gekennzeichnet, 
in welchen die Geissel der Tuberkulose am stärksten wütet und nennt sie „die schwarzen 
Stadtviertel“. In vier von ihnen mit einer Gesamtbevölkerung von 600 000 Seelen konstatierte 
der Gelehrte, dass die Tuberkulose jährlich zehn von tausend Einwohnern tötet, „Der ein- 
zige Grund dieser Erscheinung liegt in den engen, des Sonnenlichts beraubten Wohnungen, 
in welche niemals ein erwärmender und erhellender Strahl dringt.“ Angesichts derartiger 
Feststellungen erscheint die Tatsache, dass 86 unserer Patienten, wovon 12 lungenkrank 
waren, in Räumen hausen mussten, welche keine Fenster haben, in welche also der 
beste Desinfektor, die Sonne, nicht hineindringt mit ihrer ganzen. Fruchtbarkeit, solche 
Räume verdienen wirklich nur den Namen Todeslogen, und niemand hat mehr das 
Recht und die Pflicht wie die Krankenkassen, immer und immer wieder zu verlangen, dass 
aufgeräumt werde mit derartigen Löchern, die nicht als menschliche Wohnungen bezeichnet 
werden können, sondern eine stete Gefahr für die Bevölkerung bieten. Orth”) nennt Luft 
und Licht „zwei mächtige und unersetzliche und doch so billige Hülfsmittel der Gesundheits- 
pflege“. sie allen Volkskreisen zu erobern ist eine sittliche Notwendigkeit! 
Es teilten Patienten das zur Verfügung stehende Klosett 
im Vorderhause mit: 
L : 
Lage des Kiosetts 
bis 5 
Person. 
6—10 
Person. 
11—15 
Person. 
16—20 
Person. 
m ” Wr 
21—25 
derson 
"926-—30'31—85"36—40 
Pers. Pers. Pers. 
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Pers. 
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Auf dem Korridor . . 
Auf der Treppe . . 
1688 !1702 
1088 1088 
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2] 375 291 
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Suhma 17283 184111048 10911431 42111811251 80 59[40 26]18 4111 12] 9 218200 18179 
Auf dem Hof 
1) Ueber die Feuchtigkeit der Wohnungen von Gemünd. Deutsche Viertelijahrsschrift für öffent- 
liche Gesundheitspflege, Bd. 57. 
?) Aufgaben, Zweck und Ziele der Gesundheitspflege, von Professor Dr. Johannes Orth, Stuttgart, 
Ernst Heinrich Moritz. 
*\ Hiervon konnte die Teilnehmerzahl nicht ermittelt werden.
	        
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