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Full text: Unsere Wohnungs-Enquete im Jahre ... (Public Domain) Issue1902 (Public Domain)

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heisst es: „Nach Licht verlangen alle Menschen; der Gesunde ver- 
richtet im hellen Raume seine Arbeit frischer und freudiger, als 
im schlecht erleuchteten Zimmer, und der Sieche lässt sein Bett 
gern an das Fenster der Krankenstube bringen, um sich an dem 
Tageslicht zu erfreuen.“ Diese Aermsten der Armen aber müssen 
auch auf diese Freude verzichten. 
Mehr wie alle bisher zu Tage getretenen Missstände ist der 
Mangel an natürlichem Licht geeignet, die Wiederherstellung eines 
Kranken zur Unmöglichkeit zu machen. Dieser Mangel lässt sich 
in keiner Weise durch künstliche Belichtung ersetzen. Leider 
kann durch unsere Tabellen nur festgestellt werden, wie gross 
die Zahl der fensterlosen bezw. dunkeln Räume ist, dagegen hätte 
es zu weit geführt und wäre es für uns auch kaum möglich 
gewesen, festzustellen, inwieweit in den von uns kontrollierten 
Räumen das gesundheitlich zulässige Minimum von natürlichem 
Licht vorhanden war. Aus der Fensterzahl im Vergleich mit der 
Bodenfläche lassen sich keine richtigen Schlüsse ziehen. Der 
Umstand, dass sich von den in Familie lebenden 
Männern Frauen 
in Zimmern mit 1 Fenster 2294 = 45,96 pCt. 2189 = 46,92 pCt. 
# n » 2 - 2616 ==52,42 „ 2412 = 531,69 „ 
aufhalten, und das Verhältnis bei den in Schlafstelle bezw. möbliert 
Wohnenden sich wie folgt gestaltet: 
Männer Frauen 
in Zimmern mit 1 Fenster 671 =- 62,13 pCt. 266 = 61,86 pCt. 
» » » 2 387= 35,83 152= 35,35 
berechtigt uns: nicht zu der Annahme, dass nun all diese Leute 
in genügend belichteten Räumen untergebracht sind. 
Es ist bei unsren Patienten vielmehr besonders zu beachten, 
dass sehr viele Wohnungen auf den Höfen gelegen sind, wo Luft 
und Licht nur in spärlichem Masse Zutritt haben, besonders un- 
günstig liegen in dieser Hinsicht die Verhältnisse im Innern der 
Stadt. Zugegeben muss dabei aber werden, worauf Grawitz”*) auf- 
merksam macht, dass die Wohnungen in den höheren Stock- 
werken durchweg besser belichtet sind als in den unteren, und 
dass ebenfalls die Zufuhr von frischer Luft sich günstiger in einer 
dritten Etage als in einem Kellergeschoss gestaltet. Wir haben 
schon bei unserer ersten Arbeit darauf hingewiesen, dass die 
Grossstädte weniger sonnenhelle Tage und Sonnenschein haben, 
als das benachbarte Land und dass Rubner für Berlin nur 
1727 Sonnenstunden im ganzen Jahre ermittelte, danach und im 
Zusammenhange mit unsren Zahlen, mag man beurteilen, in 
welch hohem Masse unsre Kranken einen der wirksamsten Heil- 
faktoren, das Licht, entbehren müssen. . 
Nach den vorstehenden Ermittlungen darf es uns nicht ver- 
wundern. dass wir 
*) Gesundheitspflege im täglichen Leben, von Professor Dr. med. 
E. Grawitz, dirigierenden Arzt am städtischen Krankenhause in Charlotten- 
burg. Stuttgart, Ernst Heinrich Moritz.
	        
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