Path:
Volume Text

Full text: Unsere Wohnungsuntersuchungen in den Jahren ... (Public Domain) Issue1919/1920 (Public Domain)

Fi du 
In Schlafstellen oder möblierten Zimmern lebende Kranke: 
Männer 
1920 i 1919 
14,46 Proz. 13,30 
16,87 21,19 
19.28 72.15 
7520 # 
Parterre . . . 
‘ Treppe. . . 
) Treppen . 
1918 
Proz. gegen 7,14 Proz. 
2143 
26,98 ‚,, 
27,78 
14.29 
Dachwohnung ; 
<ellerwohnung . 
„7 
DR 
m 
238 
B- 
3 
darterre . 
| Treppe. . 
? Treppen 
1920 
12,84 Proz 
18,80 
++ 70 
2? 28 
20.69 
I) = 2,99 
f=— 179 
1919 
53 030 Proz. 
96 =—= 1°87 
32 = 23, 
‘2 = 24,91 
7= 27728 
3 = 1,40 
“2 = 211 
1918 
“>en 10,32 Proz. 
> 7,20 »„ 
23,54 
751 
} „ 
Dachwohnung . 
Kellerwohnung . 
"a 
2 
Wir finden also von den Schlafgängern Parterre einen höheren, in der vierten Etage 
ajnen geringeren Prozentsatz wie bei den in ihrer Familie lebenden Kranken, ein Beweis 
lafür, daß bei der Wahl der Schlafstellen der Bequemlichkeit der Aftermieter mehr Rechnung 
getragen werden kann; wir vermuten sogar, daß dieselbe bei den Männern mitbestimmend 
st, daß sie sogar Kellerräume mit in den Kauf nehmen, die bei Aftermieterinnen seit Jahren 
’n geringerem Maße beliebt sind. Immer noch treffen wir aber in den höheren Stockwerken 
äinen größeren Prozentsatz der besuchten Frauen wie der Männer, ein Umstand, der uns 
immer sehr bedenklich erschien. Für die meisten Kranken ist die Wohnung in den hoch- 
gelegenen Stockwerken mit recht großen Mißständen verknüpft. Das Steigen vieler Treppen 
verursacht ihnen zu große Anstrengung, die bei Frauen besonders bedrohlich erscheint. 
Darauf ist es zurückzuführen, daß die ärztlich empfohlene Ausgehzeit häufig gar nicht benutzt 
wird, so ‚notwendig auch die Bewegung in freier Luft sein mag. Wir können nicht 
unterlassen, immer wieder darauf zu verweisen, daß seit vielen Jahrzehnten in Berlin 
die Sterblichkeit im ersten Stockwerk am geringsten ist, nach unten steigt in die Erd- 
und Kellergeschosse, nach oben in die höheren und Dachwohnungen und dort auch 
im vierten Stock noch höher ist als in den Kellerwohnungen. Gegenüber dem Bestreben 
der letzten Jahre, in die Dachgeschosse Notwohnungen einzubauen, sei auf Aus- 
führungen hingewiesen, die Hueppe* bereits 1903 machte, die aber heute noch in hohem 
Grade beherzigenswert sind: „.... man darf auch nicht vergessen, daß das Dach, wie es 
sich technisch bei diesem Kasernenbau der Großstadt entwickelt hat, auf dem Hause sitzt 
wie ein vom Kammerunteroffizier schlecht verpaßter Helm auf dem Schädel eines Rekruten. 
Es wird gebaut, weil das Haus einen Abschluß braucht, aber von einer Durchbildung im 
Sinne einer Wohnung ist gar keine Rede. Bei den niedrigeren Häusern war, wie man das 
selbst jetzt noch in Berlin an einigen alten Palästen, den Relikten der alten Bauperioden 
sehen kann, das sogenannte französische Dach ausgebildet, und diese Form ist nicht nur 
architektonisch sehr viel schöner als das jetzige Mietkasernendach, sondern gestattet auch 
sine Durchbildung von Mansardenwohnungen, welche die hygienischen Nachteile der Dach- 
wohnungen der Mietkasernen im Innern der Großstädte nicht bieten. Es ist vom hygienischen 
und vom technischen Standpunkte aus nicht einzusehen, weshalb solche Wohnungen nicht 
verwertet werden sollen. Bei dem schlechten Dache allerdings wird der Vorteil der besseren 
Luftzufuhr durch den zu schroffen oder starken Wechsel von Hitze und Kälte überkompensiert, 
und gegen solche Dachwohnungen muß sich der Hygieniker wenden.“ 
Der Einbau von Notwohnungen erweckt auf vielen Seiten Bedenken; so lesen wir in 
ainem vom Deutschen Verein für Wohnungsreform herausgegebenen Programm:** .. „Ebenso 
ist der Einbau von Notwohnungen im Dach- und im Kellergeschoß nur mit Vorsicht 
anzuwenden, insbesondere im letzteren Falle, Es ist zu befürchten, daß ein Dauerzustand 
geschaffen wird, der eine Verdichtung der Wohnweise, eine höhere Bewertung und Beleihung 
Ari "30 liche Wohnungsfürsorge“ von Ferdinand Hueppe, in der Deutschen Medizinischen Wochen- 
schrift ; 
** Ein Programm für die Uebergangswirtschaft im Wohnungswesen. dem us een hen vom Deutschen 
Verein für Wohnungsreform. Verlag: Franz Siemenroth, Berlin SW. 11, Dessauer Str. 10. Berlin 1918.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.